Die Zeitschrift "ZUM LEBEN"

4 | 2018 - 70 Jahre Staat Israel – Erfüllung biblischer Verheißungen?!

Schalom, liebe Freunde, der Autor lebt!
Ist uns das wirklich bewusst?

Der französische Literaturwissenschaftler Roland Barthes veröffentlichte 1968 einen Aufsatz mit dem Titel: „Der Tod des Autors“. Darin fordert er dazu auf, sich bei der Interpretation von Texten von der Autorität der Verfasser derselben zu emanzipieren: „Der Autor ist tot und wir sind den Motiven und Zielen, die ihn bei der Arbeit geleitet haben, nicht mehr verpflichtet! Die Bedeutung des Textes und der Sinn desselben werden nicht mehr vom Autor gestiftet sondern vom Leser erzeugt!“ Die nachfolgenden Generationen der Leser könnten beliebig mit den Texten spielen, sie nach eigenem Gutdünken und für andere Intentionen und Interpretationen gebrauchen, so seine Aussage. Dieser Aufsatz hielt auch Einzug in die Theologie, und dies mit verheerenden Folgen für die Christenheit! Die Trennung des Textes vom Autor ist eine der Hauptursachen für die Gleichgültigkeit des Menschen gegenüber der Bibel.

Uns ist das Bewusstsein verlorengegangen, dass der eigentliche Autor der Bibel, der allmächtige Gott, wirklich lebt und handelt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Durch den Heiligen Geist war er mit den menschlichen Autoren verbunden und bei der Zusammenstellung des Kanons der Bibel hat er geleitet. Die Bibel ist das Wertvollste und Wirksamste, was ich als Mensch in dieser Welt für mich haben kann. Hier redet der allmächtige Gott mit mir ganz persönlich. Auch wenn die Sirenen des Zeitgeistes immer wieder versuchen, mich davon abzuhalten.

Im 19. Jahrhundert entwickelten verärgerte Arbeiter in Frankreich eine subversive Taktik. Teil dieser Strategie war es, einen Schuh in die Maschinen der Fabrik zu werfen, um sie zu stoppen und die Produktion zum Erliegen zu bringen. Diese aggressive Vorgehensweise wurde als Sabotage bekannt (von sabot, dem französischen Wort für Schuh). Ein einziger Schuh konnte verheerenden Schaden in einer gut funktionierenden Maschine anrichten.

Heute sehen wir die anhaltende Sabotage des Christentums und der Gemeinde Jesu von Innen. Nicht weit von der Stelle in Jerusalem, wo Jesus sein Kreuz auf sich genommen hat, nehmen hohe Repräsentanten der deutschen Christenheit ihre Kreuze ab. Raffinierte Saboteure werfen einen theologischen Schuh nach dem anderen in die Maschine und verursachen geistliche Verwirrung und Zerrüttung. Der Teufel hat das Werk Gottes schon immer durch menschliche Irrlehrer sabotiert. Und obwohl der Widersacher Gottes über viele verschiedene Schuhe und Strategien verfügt, wird er vor allem in drei Bereichen aktiv: gegen das geschriebene Wort Gottes, die Bibel, gegen das zum Licht der Heiden erwählte Volk Gottes, Israel, und gegen das lebendige, Fleisch gewordene Wort Gottes – den Erlöser Jesus Christus. „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit…“ (Johannes 1,14)

Der polnische Lyriker Stanisław Jerzy Lec hat den bemerkenswerten Satz geschrieben: „Wenn ein Wort Fleisch wird, hört es auf, Literatur zu sein.“ Ganz besonders das Wort Gottes ist eine lebendige, existenzumfassende Herausforderung für einen jeden von uns! Glauben, wie die Schrift es sagt, darum geht es heute, jetzt und bis der Messias kommt, zum zweiten Mal kommt! Jesus selber hat in Johannes 7,38 gesagt: „Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“ Das bedeutet mehr als gute Bibelkenntnisse und erfolgreiche Gemeindearbeit. Es bedeutet, zu einer verschütteten Quelle vorzustoßen, die lebendiges Wasser wirklich fließen lässt und uns belastungs- und tragfähig macht für eine Zukunft, die mehr von uns fordern wird als unser gewohntes Christenleben.

Der Autor lebt! Deshalb lasst uns nüchtern bleiben. Viele Menschen werden von ihrer geistlichen Erfahrung so vereinnahmt, dass sie nicht länger im Wort Gottes nach Autorität suchen. Unsere Erfahrungen, unterstützt von den Medien und anderen Irrtümern, führen uns von der Bibel fort. Wer zur Quelle will, muss nun mal gegen den Strom schwimmen! Beim nächsten Bibellesen denkt immer wieder daran: Der Autor lebt! (WG)

Ihr/Euer Wilfried Gotter