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| Werner Hartstock, Reichenbach

Städtepartnerschaft zwischen Reichenbach/Vogtland und Ma’alot-Tarshiha

Nach zwei Besuchen in Ma’alot, vielen E-Mails und viel Geduld, war es am 2. April – meinem Geburtstag soweit, eine elfköpfige Delegation aus Reichenbachs neuer Partnerstadt in Israel kam in Deutschland an. Sie waren vom 2. – 6. April 2014 in Reichenbach zu Gast.

Höhepunkt des zweiten Besuchstags war die Unterzeichnung des Vertrages über die Städtepartnerschaft zwischen Reichenbach und der israelischen Doppelstadt durch die Oberbürgermeister Dieter Kießling und Shlomo Buchbut. Der Vertrag enthält die Willensbekundung beider Städte zur Zusammenarbeit auf den verschiedensten Gebieten. Bereits bei ersten Empfang im Rathaus hatten die beiden Stadtoberhäupter festgestellt, dass es sehr viele Berührungspunkte zwischen beiden Städten gibt.

Bei der Festveranstaltung trugen sich die Delegationsmitglieder nach der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages ins Goldene Buch der Stadt ein. In seiner Rede hatte Ma’alots Bürgermeister Shlomo Buchbut zuvor die Entwicklung der 1963 gegründeten Stadt dargestellt. Er ging auf Friedensgespräche ein, die der frühere Präsident Itzhak Rabin und der damalige Außenminister und heutige Staatspräsident Shimon Perez mit dem einstigen Palästinenserführer Jassir Arafat geführt hätten. „Früh um 3 Uhr hat Perez gesagt, er möchte für das Land so eine Freundschaft, wie sie zwischen Ma’alot und Tarshiha besteht“, erklärte er.

Im alten arabischen Stadtteil Tarshiha leben je 50 Prozent Muslime und Katholiken. Zur Delegation gehört der stellvertretende Bürgermeister Ayman Shanati, der Muslim ist. Gerade diese Zusammensetzung der Stadt und auch der Delegation, zu der neben Juden und dem Moslem auch ein Druse gehörte, hat die anwesenden Reichenbacher beeindruckt. An der Festveranstaltung, die musikalisch von der Vogtland-Philharmonie begleitet wurde, die auch die Nationalhymnen beider Staaten spielte, nahmen für die Sächsischen Israelfreunde e.V. auch der Vorsitzende Lothar Klein und Geschäftsführer Wilfried Gotter teil.

Vor dem Rathaus wurde den Gästen die Aufschrift der Tafel zur Erinnerung an Reichenbacher Juden in der Zeit des Nationalsozialismus übersetzt. „Wer hätte gedacht, dass hier in unmittelbarer Nähe zu dem Erinnerungsschild einmal ganz selbstverständlich die israelische Flagge weht“, erklärte Reichenbachs OB Dieter Kießling. Als erste Stationen der Besichtigungstour standen der Wasserturm, das Stadion und das dazugehörige Sozialgebäude, das Rathaus und die Peter-Paul-Kirche auf dem Programm.

An den nächsten Tagen haben die Vertreter aus Reichenbachs neuer Partnerstadt Ma’alot- Tarshiha ein buntes Besuchsprogramm absolviert und dabei Schulen, Unternehmen, Einrichtungen oder Sportstätten der Region kennen gelernt und eine Vogtlandrundfahrt unternommen. Mehrfach musste improvisiert werden, weil das eingeplante Zeitvolumen für das große Interesse der Besucher nicht ausreichte. Reichenbachs OB Dieter Kießling (CDU), Mitarbeiter der Stadtverwaltung sowie Mitglieder des Partnerschaftskomitees und des Fördervereins begleiteten die Gäste.

Vor dem Abend des Fördervereins im Israelzentrum wurde im Park der Generationen durch die beiden Stadtoberhäupter ein Partnerschaftswegweiser mit Namen, Wappen und Entfernungsangaben der Partnerstädte enthüllt. Die israelische Stadt befindet sich 3730 Kilometer südöstlich von Reichenbach und hat die „nur“ 695 entfernt liegende polnische Stadt Jedrzejow in dieser Beziehung locker abgelöst.

Der Bürgermeister der israelischen Partnerstadt Shlomo Buchbut war erstaunt über die Existenz der Ausstellung mit Tempelmodellen und Judaika in Reichenbach. „In Deutschland so etwas zu sehen, ist schon sehr beeindruckend. In dieser Geschichte liegen auch eure Wurzeln“, gab er den Anwesenden mit auf den Weg. Trotz umfangreichen Programms und Zeitdruck gestand er an vielen Stellen: „Ich genieße jeden Augenblick, den ich hier bin.“

Einen weiteren bewegenden Moment erlebten die Anwesenden des Fördervereins- Abends, als die israelischen Gäste eine improvisierte Schabbat- Zeremonie mit Segenssprüchen über Wein, Brot und Salz abhielten. Zum Abschluss ihres Partnerstadttreffens haben Reichenbachs Oberbürgermeister Dieter Kießling (CDU) und der Bürgermeister der israelischen Partnerstadt Ma’alot-Tarshiha, Shlomo Buchbut erste Schritte für die weitere Zusammenarbeit besprochen.

Als eine der Maßnahmen soll am Montfort-Stausee in Ma’alot ein Feriendorf entstehen, für das er Unterstützung durch deutsche Handwerker sucht. Im Rahmen unseres sächsischen Handwerkerprojektes in Israel werden wir dieses Projekt mit unterstützen. Die Schaffung preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten in der Partnerstadt, die auch für den Austausch von Jugendgruppen und als Standort der Handwerkerdiente im Norden Israels genutzt werden können.

OB Kießling schlug vor, dass Delegationsmitglieder aus Reichenbach mit Hand anlegen, wenn sie vor Ort sind. Jedes Jahr soll ein offizieller Besuch beim jeweiligen Partner stattfinden, also zwei offizielle Besuche pro Jahr. Außerdem möchte der israelische Bürgermeister gern eine gemeinsame Ausbildung von Musikinstrumentenbauern aufbauen. Kontakte zwischen Schülern sollen gepflegt werden. Für die erste Partnerstadtreise nach Israel benannte der Bürgermeister seine Wunschkandidaten, die unbedingt mit nach Israel kommen sollen. Dazu gehören der Leiter des Berufsschulzentrums, der Geschäftsführer der Firma Sys Tec Electronic und der Krankenhausdirektor.

Diese Personen hatten die Israelis neben vielen anderen bei Besichtigungen und Gesprächen vor Ort kennengelernt. Schon in Arbeit ist die Vorbereitung eines Trainingslagers der Fußballmannschaft aus Ma’alot. OB Kießling wünscht sich außerdem eine Konzertreise der Vogtland-Philharmonie Greiz/Reichenbach nach Israel, für die mindestens zwei Jahre Vorlaufzeit benötigt werden. Ein weiteres Projekt ist die Teilnahme eines Vogtländischen Künstlers am jährlichen Bildhauerfestival in Israel.

Neben bestehenden Kontakten mit der Dittes- Grundschule werden neue mit der Weinholdschule dazukommen, die von der Delegation vor der Abreise besichtigt wurde. In der dortigen Schulküche hatten Deutsche und Israelis gemeinsam gekocht und anschließend das Abschiedsessen eingenommen. „Dieses Ende, bei dem wir zusammen gekocht und gegessen haben, übertrifft alles. Was Ihr hier gemacht habt, hat Maßstäbe gesetzt. Wir haben Partnerschaften in der ganzen Welt, aber so etwas haben wir noch nicht erlebt“, gestand Shlomo Buchbut.
Was sagen die Delegationsmitglieder über ihren Aufenthalt?

Shlomo Buchbut (Bürgermeister): Ein Oberbürgermeister mit dem Herz am rechten Fleck. Ich bin zutiefst angetan von unseren Gastgebern und der Gastfreundschaft. Keren Buchbut (Bürgermeister-Gattin und PRManagerin des Hochschulnetzwerkes Nordisrael): Ganz außergewöhnliche Menschen, ich bin sprachlos. Ich hoffe auf eine jahrelange Freundschaft.

ami Shachar-Yaron (Geschäftsführerin des Kunstzentrums ‚Apter-Barrer‘): Wunderbare Menschen, die zu Freunden geworden sind. Der Abend, an dem die Partnerschaft unterzeichnet wurde, war sehr berührend.

Waspi Armaz (Manager des Elektronikunternehmens Nistec am Standort Zafon): Unsere Ansichten sind sehr verschieden, aber die Treffen haben gezeigt, dass auch die größten Unterschiede überbrückt werden können. Wir können nur alle Israelfreunde ermutigen, auch für Eure Stadt eine Partnerschaft mit Israel anzustreben. Es ist wirklich viel Arbeit nötig, aber es liegt ein besonderer Segen darauf.

So können wir mehr Menschen in unseren Städten mit dem Thema Israel erreichen. Nach Freiberg und Ness Ziona (1996), Grimma und Gezer (2011) sowie Leipzig und Herzliya (2011) ist nun die Städtepartnerschaft zwischen Reichenbach (Vogtland) und Ma’alot-Tarshiha die vierte zwischen einer sächsischen und einer israelischen Stadt. Wer selbst eine Städtepartnerschaft initiieren möchte, kann gerne mit mir Kontakt aufnehmen.
Werner Hartstock, info@israelreise.de

Shlomo Buchbut (li) und Oberbürgermeister Dieter Kießling
Shlomo Buchbut (li) und Oberbürgermeister Dieter Kießling
Versöhnungsarbeit Medienarbeit / Presse