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| Karin Runge, Lothar Klein

Israels Botschafter beim Vatikan sprach in Dresden

aus Berichten von Teilnehmern zusammengestellt von Karin Runge und Lothar Klein, Fotos: Dr. Eckhard Koch

Anlässlich eines Besuches in Dresden sprach Mordechai Lewy, der Botschafter des Staates Israel beim Heiligen Stuhl, Vatikanstadt, am 21. Juni 2012 in der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung (SLpB) zum Thema „Christentum, Judentum und die Beziehungen Israels zum Vatikan“. der Sächsischen Israelfreunde e.V. Begrüßt und vorgestellt wurde Botschafter Lewy, der von Freunden Motti genannt wird, vom Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, der bis zu seiner Heirat selbst katholischer Priester gewesen ist.

Vor den über 50 interessierten Gästen erläuterte der erfahrene Diplomat fast im Plauderton über sein Leben als Diplomat im Vatikan und die nicht unproblematischen diplomatischen Beziehungen zwischen der römischkatholischen Kirche und dem Judenstaat, die erst seit Ende 1993 bestehen. Hier einige der genannten Fakten, die der als wandelndes Geschichtsbuch erscheinende Lewy immer wieder mit interessanten Details untermalte.

Zu Beginn seines Dienstes wurde Motti Lewy beim Papst in Audienz empfangen, um das Beglaubigungsschreiben des Staatspräsidenten Israels zu überreichen. Dabei wurde ihm die Asymmetrie der Beziehungen bewusst. Während er als israelischer Boschafter lediglich den Staat Israel vertritt, nicht aber das jüdische Volk im religiösen Sinn, ist ein Botschafter des Vatikan in Israel – Nuntius genannt – immer zugleich ein Bischof. Das ermöglichte es diesem, etwa während der Operation „Gegossenes Blei“ 2009, als Gemeindehirte die katholischen Gläubigen in Gaza besuchen zu wollen. Kein anderer Diplomat erhielt aus Sicherheitsgründen zu dieser Zeit von Israel eine Einreiseerlaubnis nach Gaza. Natürlich wusste der Nuntius im Anschluss manches Interessante gegenüber der Presse zu berichten. Im Vatikan hingegen war es zu Beginn der diplomatischen Beziehungen nicht erwünscht, dass ein Rabbiner von Israel als Botschafter benannt würde. Heute wäre das vielleicht anderes.

Motti Lewy beschrieb dann, dass es zu einem Wandel in der katholischen Haltung gegenüber Israel gekommen ist. Eine wichtige Person war dabei Papst Johannes Paul II, der in Polen mit einem jüdischen Nachbarsjungen befreundet war und auch nach dem Holocaust die Beziehung zu ihm aufrechterhielt. Es wird erzählt, dass er vor der Bestellung des Nuntius für den Staat Israel von diesem willen wollte: „Liebst du Israel?“ Er soll immer auf einen passenden Zeitpunkt gewartet haben, die Normalisierung der Beziehung zum Staat Israel intern durchzusetzen, was dann auch gelang. Mit der Erklärung „Nostra Aetate“ erfolgte die Abwendung von der jahrhundertealten Ersatztheologie.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat der Vatikan versucht, die Gründung eines Staates Israel nach Möglichkeit zu verhindern. Es entsprach aber nicht seiner Politik, dies allzu offen zu tun, sondern es wurden mehr Gespräche und Verbindungen im Hintergrund genutzt. 1904 versuchte Theodor Herzl erfolglos Papst Pius X. für den Plan einer Heimstatt der Juden in Palästina zu gewinnen. Nach der „Balfour Declaration“ zur Unterstützung der Errichtung einer jüdischen „nationalen Heimstätte“ in Palästina wäre dem Vatikan ein französisches Mandat für das Heilige Land lieber als das britische gewesen, weil Engländer Protestanten und die Franzosen Katholiken sind. Dem UN-Teilungsplan für Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Teil 1947 stimmte der Vatikan nur unter der Bedingung zu, dass Israel sich schriftlich zu einem internationalen Status für Jerusalem verpflichtet.

Die Jerusalem-Frage ist bis heute kritischer Punkt zwischen beiden Partnern. Nach wie vor strebe die katholische Kirche für die Hauptstadt des jüdischen Staates einen internationalen Status an. Schreiben des Vatikans an die Regierung Israels seien kurioserweise nach Tel Aviv adressiert, obwohl der Sitz von Parlament und Regierung Jerusalem ist. Mit Schmunzeln erläutert der Botschafter, warum man nur bei ihm eine Ausnahme mache. Selbst die Ausführungen zu den schwierigen vatikanisch-israelischen Verhandlungen über Fragen kirchlichen Eigentums und Steuerfragen weiß Lewy mit Humor zu beantworten.

Wenn Motti Lewy auch nicht wie ein Nuntius mit zwei Hüten, dem politischen und dem konfessionellen, hantieren konnte, so versuchte er doch manches Mal einen gewissen vermittelnden oder hinterfragenden Einfluss auszuüben. Etwa beim Besuch Papst Benedikt XVI. 2010 in der Römischen Hauptsynagoge. Da wegen der bevorstehenden Seligsprechung von Papst Pius XII. das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und Judentum nicht ungetrübt war, wollte die Jüdische Gemeinde in Rom den Papst wieder ausladen, was Mordechai Lewy durch Einladung hochrangiger Repräsentanten aus Israel diplomatisch entschärfen konnte.

In dieser wie in anderen Fragen drückt der einen Tag nach der Staatsgründung Israels 1948 in Afula geborene Berufsdiplomat seinen Respekt gegenüber der Kirche aus, die als Institution seit so vielen Jahrhunderten Bestand habe. Die beste Vorbereitung auf sein jetziges Amt in Rom war seine Zeit als Berater des Jerusalemer Bürgermeisters in religiösen Angelegenheiten, berichtet er fast schwärmend.
Mit diesen und vielen anderen Schilderungen gab Israels Botschafter beim Heiligen Stuhl einen äußerst facettenreichen Einblick in seinen Dienst für sein Land in Vatikanstadt. In wenigen Monaten wird er wiederum vom Papst empfangen, diesmal, um sich zu verabschieden, da sein Ruhestand naht.

An Motti Lewy´s Ausführungen schloss sich eine angeregte Diskussion an, die in bewährter Weise von Frank Richter moderiert wurde. Der Direktor der Landeszentrale dankte dem Botschafter für seinen interessanten Vortrag. Einen besonderen Dank richtete er auch an die Sächsischen Israelfreunde e.V., auf deren Betreiben diese hochrangige Veranstaltung zustande gekommen war.

Botschafter Mordechai (Motti) Lewy
Botschafter Mordechai (Motti) Lewy
Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung
Der Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, begrüßt den Botschafter und die Gäste
Bildungs- und Referentenservice Medienarbeit / Presse