Aktuelles

Spenden

| Frank Stepper

Ein Stück Israel nach Oelsnitz gebracht

Polizeischutz und herzlicher Empfang für 44 israelische Tänzer – über 3.000 € Spenden

OELSNITZ – Eng zu ging es auf der Bühne der Vogtlandsporthalle am vergangenen Donnerstag: Insgesamt 44 junge Künstler der Wizo Nachlat Yehuda Music and Dance Group aus Israel nutzten barfuß das Bühnen-Parkett, um einen bunten Mix an Tänzen zu modern aufbereiteter jüdischer Folklore zu zeigen.

Zu der Vielfalt der verschiedenen Tanz-Formationen gehörte auch ein ständiger Wechsel der bunten Kostüme nach jeder Choreographie. Auch der Migrationshintergrund der jüdischen Jugendlichen war bunt gemischt, wie die Gesellschaft Israels: Seite an Seite tanzten die Bewohner eines Jugenddorfes, deren jüdische Eltern und Vorfahren in den vergangenen Jahrzehnten aus West- und Osteuropa, aus dem Orient, aus Äthiopien und aus den USA nach Israel einwanderten.

Beim ausschließlich hebräischen Gesang begann das Publikum erstmals mitzusingen, als das bekannteste aller hebräischen Worte inbrünstig intoniert wurde: Der gemeinsame Halleluja-Gesang einte plötzlich die jüdischen Gäste und die christlichen Gastgeber und Besucher im gemeinsamen Lob des Gottes Israels.

Einen breiten Raum nahm zu Beginn der Veranstaltung das herzliche Gedenken an die im Januar verstorbene Oelsnitzer Oberbürgermeisterin Eva-Maria Möbius ein, die in den vergangenen Jahren ähnliche Projekte der christlich- jüdischen Zusammenarbeit in Oelsnitz unterstützt hatte. Die jungen Tänzer und Sänger kamen übrigens direkt aus Budapest angereist.

Das die Wizo Nachlat Yehuda Music and Dance Group auf ihrer Europatournee in Deutschland nebst Hannover und Nürnberg nur Oelsnitz auf dem Tourneeplan hat, war kein Zufall. Es ist bereits das zweite Konzert einer größeren Musikgruppe aus Israel, das in Oelsnitz gastierte. Nach einhelliger Meinung aller Beteiligten war es nicht das letzte.

Der Organisator, der die Fäden dieser Konzerte zog, war der Oelsnitzer Simon Wunderlich, der sich aber auf eine breite Unterstützung von vielen Seiten verlassen konnte: Die jungen Christen vom Oelsnitzer Verein Freundearbeit e.V. waren stark bei der praktischen Durchführung engagiert. Der von Pfarrer Gunther Geipel vor fast 20 Jahren ins Leben gerufene überkonfessionelle Vogtländische Leiterkreis mobilisierte einen Großteil der über 300 Besucher.

Offizieller Veranstalter waren die Sächsischen Israelfreunde e.V., die am 17. Mai in Reichenbach ein jüdisch-christliches Begegnungszentrum einweihen wollen. Die Unkosten des Konzertes wurden auf vogtländischer Seite ausschließlich durch Sponsoren und öffentlicher Unterstützung bestritten. So hatte der amtierende Oelsnitzer Oberbürgermeister Mario Horn den Veranstaltern die Miete der Vogtlandsporthalle erlassen. Er bezeichnete es als eine Herzens-Angelegenheit in Zeiten des weltweit aufkeimenden Antisemitismus freundschaftliche Beziehungen zu Israelis zu pflegen.

Am Ende tanzte er ausgelassen zusammen mit den israelischen Jugendlichen zur Ihren ansteckend rytmischen jüdischen Volksweisen. Der stellvertretende Landrat Rolf Keil schloss sich an und betonte, das Völkerverständigung wichtig ist für die junge Generation. Lobend erwähnte er in diesem Zusammenhang auch die am Folgetag geplante Begegnung der israelischen Jugendlichen mit Schülern der Evangelischen Mittelschule Schöneck.

Von Landrat Tassilo Lenk überreichte er einen Spenden-Scheck mit 200 € für ein soziales Jugendprojekt in Israel von Keren Hayesod e.V. Insgesamt kamen an dem Abend über 3.000 € an Spenden zusammen, die ohne Abzüge an den bereits über 90 Jahre existierenden Stiftungsfond Keren Hayesod weitergereicht wurden.

Ziel der jüdischen Spendenorganisation ist es, Brücken der Freundschaft zwischen Juden und Christen zu schaffen, und das jüdische Volk in seine Heimstätte Israel zurückzuführen. Das Israelis weltweit nicht nur Freunde haben, konnte man an den besonderen Sicherheitsvorkehrungen merken: Die Reisegruppe steht unter ständigem Polizeischutz und bei ihren Konzerten sind Sicherheitskontrollen üblich. Im Vogtland bekamen die Israelis jedoch nur ein warmherziges Willkommen zu spüren.

Wizo Nachlat Yehuda
Junge israelische Tänzer und Sänger ...
Medienarbeit / Presse