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| Lothar Klein, Dresden

Ein notwendiger Nachtrag

zum Artikel „Wider die Diktatur der Toleranten“ in „Zum Leben“ 4/2012

Was inzwischen geschah:

Liebe Freunde, ich habe lange darum gerungen, ob ich den Artikel, der in der vergangenen Ausgabe erschienen ist, veröffentlichen soll. Die überwältigende positive Resonanz aus unserer Landeskirche hat bestätigt, dass die Entscheidung richtig war. Immerhin beläuft sich die Zahl der positiven Rückmeldungen auf über 150.

Viele Geschwister haben mir dabei bekundet, wie sehr sie durch meine Zeilen in ihrer seelischen Bedrückung getröstet und bestärkt wurden. Schon allein deswegen war es wichtig und richtig, diesen Text zu schreiben, wenn er dazu beigetragen hat, nicht zu resignieren und unsere Landeskirche nicht zu verlassen, wie mir manche bezeugt haben. Ich bin darum auch Bruder Eduard Berger sehr dankbar, der beim Treffen der Bekenntnis-Initiative am 5. November in der Chemnitzer Lutherkirche deutlich gemacht hat: „Wer in der Landeskirche bleibt, leidet in ihr. Wer sie verlässt, leidet an ihr. Aber dem Leiden können wir uns als Christen nicht entziehen!“ Darum hat auch er die Teilnehmer ermutigt, diesen Weg des Ringens um die Gültigkeit des Wortes Gottes beharrlich weiter zu gehen. Denn darum geht es!

Zunächst möchte ich mit einer Fehlinterpretation aufräumen, die dadurch entstanden ist, dass idea-Spektrum über meinen Artikel berichtet hat, bevor der Redaktion die von mir autorisierte Endfassung vorlag! Richtig ist: Als Ergebnis meiner Analyse der Situation in unserer Landeskirche habe ich im Rücktritt des Landesbischofs den Ausweg gesehen. Daran hat sich auch nichts geändert. Ich habe ihn aber nicht persönlich zum Rücktritt aufgefordert, wie idea geschrieben hat. Das ist ein Unterschied!

Ich will weiter darauf eingehen, dass ich immerhin auch neun kritische Reaktionen erhalten habe. Die meisten der Verfasser haben an meinem Text Aussagen kritisiert, die ich so nicht geschrieben habe, sondern die von Kritikern hineininterpretiert worden sind. Dennoch kann ich damit umgehen, denn wer sich einsetzt, setzt sich aus! Manche Reaktion hat mich aber schon erschüttert. Manche haben eine Herzenshaltung offenbart, dass sie zwar die Bibel schon irgendwie für das Wort Gottes halten, aber im konkreten Fall für jemanden aus ihrem Umfeld eine Ausnahme von dessen Gültigkeit in Anspruch nehmen.

Welche Anmaßung wird da mit Liebe kaschiert! Was ist denn der Mensch, dass er meint, Gottes Wort mittels demokratischer Mehrheitsbeschlüsse außerkraft setzen zu können. Ein anderer hat mir Wut und sogar Hass unterstellt, was ich nun wirklich nicht nachvollziehen kann. Schließlich habe ich einige Wochen um den Text gerungen und ihn auch durch Brüder mit theologischer Bildung kritisch gegenlesen lassen. Ich denke, wer derart Probleme mit unangenehmen, die Harmonie störenden Bibelstellen hat, könnte dies auch Jesus unterstellen, als er sich eine Geißel aus Stricken machte und zum Ärger der Pharisäer die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel trieb.

Nein, es ist der Eifer um das Haus Gottes! Vielen in unserer Landeskirche, die die Beschlüsse von Kirchenleitung und Synode zum Pfarrerdienstgesetz nicht mittragen können, geht es schlichtweg darum, dass unsere Kirche Kirche Jesu Christi bleibt. Sie soll ihren Hauptauftrag der Verkündigung des Evangeliums zur Rettung von Sündern erfüllen und nicht zum politisch-religiösen Krämerladen verkommen, wie dies zunehmend bei so manchem „Markt der Möglichkeiten“ bei Deutschen Evangelischen Kirchentagen den Eindruck erweckt.

Mir geht es darum, die Sünder zu lieben, aber die Sünde zu hassen, weil sie den Menschen zerstört und ihn von Gott trennt. Wenn in diesem Sinne Seelsorge nicht Sorge um die Seele eines Menschen ist, sollte sie auch nicht so genannt werden. Und wenn Kirche Kirche bleiben soll, muss auch Sünde Sünde genannt werden, weil Kirche Gemeinschaft geretteter Sünder ist! Vorausgesetzt, man(n?) will sich retten lassen. Abstriche von der Klarheit des Wortes Gottes zu machen, ist Selbstbetrug und Anmaßung, an der schon viele gescheitert sind.

Ich kann doch auch nicht Spieler in einer Fußballmannschaft werden wollen und dann für mich veränderte Spielregeln in Anspruch nehmen, weil ich den Ball doch lieber mit der Hand spiele. Selbst bei weltlichen Gesetzen ist es so, dass das Gesetz, das ich heute missachte und damit aushöhle, mich morgen nicht mehr schützen kann! Als die Pharisäer Jesus bezüglich der Gültigkeit des Wortes Gottes im Hinblick auf die beim Ehebruch ertappte Frau provozieren wollten, da das Gesetz des Mose für einen solchen Fall die Steinigung vorsah, sagte Jesus den bekannten Satz: „Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ (Johannes 8) Als dann alle, die sie vorher verurteilt haben wollten, gegangen waren, sagte Jesus zu der Frau: „So verurteile ich dich auch nicht. Geh hin und sündige hinfort nicht mehr!“ Er hat sie nicht dazu aufgefordert, ihren Ehebruch künftig „verantwortungsvoll und in Liebe“ auszuüben!

Darüber sollten sich jene in unserer Landeskirche Gedanken machen, die danach fragen, „was Christum treibet“! Übrigens sind mir in den vergangenen Wochen gerade von Theologen vergleichbare provozierende Fragen gestellt worden. Dem entgegne ich: Wer „das Wort nicht stahn lassen“ will, sollte sich auch nicht mehr als evangelisch-lutherischer Theologe bezeichnen! [...]

Lesen Sie den ganzen Artikel in der Ausgabe 1|2013

Sächsischer Landesbischof Jochen Bohl
Landesbischof Bohl
Medienarbeit / Presse