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| Hansjürgen Kitzinger

Der Auschwitz-Überlebende Max Mannheimer erzählte

Es hieß: „Ab durch den Kamin!“

Anlässlich des internationalen Holocaust- gedenktages und des 70. Jahrestages der Wannseekonferenz führte der Arbeitskreis „Suchet der Stadt Bestes“ im Zentrum der Freien Christengemeinde Langwasser am 29. Januar eine Gedenkfeier durch. Es waren 350 Besucher im überfüllten Saal, darunter auch Jugendgruppen des CVJM.

In bewegender Weise erzählte Dr. h.c. Max Mannheimer (92) von seinem Leben und Überleben in Auschwitz. „Mein Vater, ein Großhandelskaufmann, war politisch naiv, hatte brav seine Steuern bezahlt und für den Kaiser Franz-Josef gekämpft, der dachte, so schlimm werde es nicht kommen.“ Aber dann wurde die ganze Familie Mannheimer nach Theresienstadt deportiert, von dort ging es nach Auschwitz-Birkenau. An der Rampe stand ein Arzt, der „mich als jungen starken Mann mit Schwielen an den Händen nach links schickte. Die nach rechts gingen kamen nie wieder, so auch meine junge Frau, sie wurde sofort ins Gas geschickt.“ Angst, Hunger und Kälte waren die ständigen Begleiter. Die Kapos nahmen sich alles heraus und folgten den Sprüchen ihrer Herren: „Ordnung, Sauberkeit und Disziplin – wer nicht spurt, geht durch den Kamin!“ Max Mannheimer überlebte. Irgendwie. Den jungen Menschen sagt Mannheimer: „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon!“

Sein Buch „Spätes Tagebuch – Theresienstadt- Auschwitz-Warschau-Dachau“ wurde reißend verkauft. Den Erlös schenkte der Autor dem Arbeitskreis für die Unterstützung der vielen Projekte in Israel. Sein zweites Buch trägt den Titel: „Max Mannheimer – Überlebender, Künstler, Lebenskünstler“. Sein Charme und seine Menschenliebe machen ihn zu einem wahren Lebenskünstler. Das Leben von Mannheimer wurde in einem Dokumentarfilm mit dem Titel „Der weiße Rabe“ festgehalten, das besonders geeignet für den Schulunterricht ist. Im Umgang mit der Vergangenheit helfen ihm Optimismus und jiddischer Humor.

Der Vorsitzende des Arbeitskreises wies in seinen Begrüßungsworten darauf hin, dass 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland antijüdisch eingestellt sind. Jeder Fünfte ist judenfeindllich! Alte Klischees seien nicht nur am Stammtisch sondern auch auf den Schulhöfen üblich geworden. Antijüdische Inhalte im Internet nähmen ebenfalls zu. Christen seien gefordert, sich neu zu ihren jüdischen Wurzeln zu bekennen und die biblischen Verheißungen der bleibenden Erwählung des Volkes Israel zu verinnerlichen.

Dr. Max Mannheimer (links) und Hansjürgen Kitzinger
Dr. Max Mannheimer (links) und Hansjürgen Kitzinger
Medienarbeit / Presse