Am 20. Januar 1942 wurde von den Spitzen der deutschen Reichsministerien und Behörden bei einem Arbeitsessen, das eineinhalb Stunden gedauert hat, die systematische Vernichtung der Juden – die „Endlösung der Judenfrage“ – beschlossen. Es wurde über das Leben von 11 Millionen jüdischer Menschen in Europa das Urteil gesprochen. Das Ergebnis dieser Zusammenkunft war drei Jahre später bei Kriegsende der beispiellose Völkermord an sechs Millionen Juden in Europa.
Anlässlich dieses Jahrstages wurde von der Internationalen Christlichen Botschaft in Jerusalem (ICEJ) eine Solidaritäts- und Gedenkveranstaltung zu Ehren der Überlebenden und Opfer des Holocaust organisiert.
Wir waren als Handwerkergruppe der Sächsischen Israelfreunde e.V. vom 14. bis 28. Januar in Israel und haben bei Russisch sprechenden Holcaust-Überlebenden in Jerusalem Wohnungen renoviert. Der Einladung der ICEJ zur Teilnahme an der Gedenkveranstaltung sind wir gerne gefolgt, um auch als Sächsische Israelfreunde unsere Solidarität und Anteilnahme mit den Überlebenden des Holocaust auszudrücken. Am Donnerstag, dem 19. Januar, erlebten wir abends im „Konrad Adenauer Conference Center“ ein sehr gutes klassisches Konzert der Christlichen Musikakademie Stuttgart. Der Abend begann mit kurzen, persönlich bewegenden Ansprachen von Leitern christlicher Werke und Kirchen aus Deutschland und Österreich.
Ich möchte die Rede von Friedemann Meussling, dem Leiter der Christlichen Musikakademie Stuttgart, herausgreifen. Er berichtete, dass er entdeckt hat, dass in seiner Familie Verbindungen zu den Nazi`s bestanden und sein Opa aktives Mitglied der National-Sozialisten war. Er ist darüber erschrocken und musste Busse tun, vor Gott und auch vor den an diesem Abend anwesenden Holocaustüberlebenden. Friedemann Meussling betonte, dass die Geschichte und unsere Verantwortung nicht zu Ende sind.
Wir tragen Verantwortung als Deutsche, dass sich die Geschichte nicht wiederholt und die nachfolgende Generation unserer Kinder an das Geschehen erinnert wird. Friedemann Meussling brachte seinen zehnjährigen Sohn mit nach Israel, der uns am Flügel ein Musikstück vortrug. Am Freitagvormittag erlebten wir eine sehr gute Führung durch die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vaschem, die für alle Teilnehmer der Gedenkveranstaltung organisiert worden war.
Die Mitarbeiterin von Yad Vaschem musste sich zwar bei ihrer Führung auf ein Zeitlimit von einer Stunde beschränken, hat es aber dabei sehr gut verstanden, einige wesentliche Dinge im Zusammenhang mit der Wannseekonferenz herauszugreifen. Für unsere Gruppe war die anschließende Kranzniederlegung in Yad Vaschem der Abschluss unseres Handwerkerdienstes und die sichtbare Solidarität mit dem jüdischen Volk und Staat Israel.
Ich hoffe und bete, dass Gott die Liebe zu seinem auserwählten Volk in mir, in uns Christen wachhält, das wir Boten seiner Liebe bleiben.



