Warum kommst Du erst jetzt, wir haben so auf Dich gewartet?

Bericht über die 18. Reise nach Äthiopien

18.10.2015 | von Pfr. Matthias Franke, Dennheritz
Junge Erbore Mädchen

Junge Erbore Mädchen

Mingikinder

Mingikinder

Brunnen beim Stamm der Art

Brunnen beim Stamm der Art

Im vergangenen Jahr war ich nur einmal in Äthiopien, so dass mein letzter Besuch fast zehn Monate zurück lag. 2015 ist nun das zehnte Jahr meiner Reisen nach Äthiopien. „Warum kommst Du erst jetzt?“ – Darauf gibt es nicht nur eine Antwort. Im Oktober habe ich die geplante Reise abgeblasen, weil vor Ort wenig für mein Kommen vorbereitet war. Im vergangenen Jahr habe ich die Kasualvertretung in der Vakanzzeit für drei Gemeinden gehabt. Diese ist nun dadurch zu Ende, dass diese drei Gemeinden ganz zu meinem Gemeindebereich gehören. Außerdem habe ich vor kurzer Zeit meinen 63. Geburtstag gefeiert, ein Alter, in dem sich viele nicht ohne Grund auf den Ruhestand vorbereiten. Auch für mich gilt: Haushalten mit den Kräften.

Dieses Mal war alles gut vorbereitet. Samira hatte selbst die Organisation der Reise in den Süden übernommen. Ziele unserer zweiwöchigen Reise waren die Besuche in fünf Gefängnissen und die nächsten Schritte im Kampf gegen die Genitalverstümmelung der Frauen, Unterweisung der Mitarbeiter und der Besuch bei einer Brunneneinweihung. Zu fünft machten wir uns auf den Weg.

Besuch in fünf Gefängnissen im Süden des Landes

Das fünfte Jahr stehen bei mir Besuche in Gefängnissen auf dem Programm. Diese gehören immer wieder zu den sehr beeindruckenden, zu Herzen gehenden Erfahrungen. Die Gefängnisse sind ganz anders als in Deutschland. Es sind keine Hochsicherheitstrakte, sondern sie erinnern mich eher an Forts aus den Westernfilmen. Hinter den Palisadenzäunen findet ein eigenes Gemeinwesen statt. Ich bin jedes Mal wieder von den Leitern und dem Personal berührt, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Gefangenen weniger zu bestrafen, sondern ihnen zu helfen, ein neues Leben zu beginnen.

Dazu gehört nicht nur, mit der Schuld zu leben, sondern die Gefangenen haben die Gelegenheit, im Gefängnis die Schule zu besuchen und einer geregelten Arbeit nachzugehen. Viele bekommen durch Erspartes und durch Weiterbildung einen besseren Start für das Leben danach. In Awassa hatte ich an zwei Tagen die Gelegenheit, mit den Gefangenen eine Art Seminar über den Glauben abzuhalten, und es wurde sehr stark die Bitte geäußert, bei meinem nächsten Besuch, diese Art von Begleitung weiterzuführen.

Besonders beeindruckte mich ein Reconciliation Committee. Dieses besteht aus zwölf Personen unterschiedlicher Ehtnien oder Religionszugehörigkeit, die im Zusammenhang mit verantwortlichen Leitern in Konfliktfällen Probleme zu klären versuchen. Zur Aufgabe dieses Komitees gehört u.a. auch die Vorbereitung auf die Entlassungszeit der Gefangenen. Die Angehörigen werden z.T. vorher besucht, um mit ihnen über die Wiedereingliederung zu beraten. Das Schöne ist, dass sie durchaus begründend darauf hinweisen können, dass aus dem Gefängnis die Angehörigen anders zurückkommen als sie hineingegangen sind. Viele haben im Gefängnis zum Glauben an Jesus gefunden und haben eine deutliche Persönlichkeitsveränderung erlebt.

Lesen Sie den ganzen Bericht in der Ausgabe 2+3/2015


Äthiopien, Reisebericht
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