Viele Grüße aus Jerusalem …

Jochen und Ruth beginnen ihren Dienst in Israel

10.02.2014 | von Andrea Messig-Wetzel, Lugau
Villa Markersdorf - Liveschaltung

Zum Vorbereitungstreffen in der Villa Markerdorf kamen rund 60 Teilnehmer. Jochen und Ruth berichteten in einer Liveschaltung nach Jerusalem von ihren aktuellen Eindrücken dort. (Foto: Michael Sawitzki)

Handwerker bauen ein Doppelstockbett

Im November bauten die Handwerker ein Doppelstockbett für die zwei Kinder einer hilfsbedürftigen Frau. Wenn nicht für jedes Kind ein Schlafplatz vorhanden ist, kann die 14-jährige Tochter, die im Heim lebt, nicht mehr ihre Mutter und ihren Bruder am Wochenende besuchen. Die Handwerker halfen.

Trost für Rahel von Ruth Peter

Rahel freute sich sehr über die Renovierung ihrer Wohnung. Noch mehr freute sie sich aber über die gemeinsame Zeit mit den Handwerkern. Ruth tröstete sie zum Abschied. In den nächsten Monaten wird sie auch Rahel wieder besuchen. (Fotos: Jochen Peter)

Das Vorbereitungstreffen der Handwerker

Rund 60 Personen lauschen gespannt, als Jochen und Ruth Peter live aus Jerusalem am Samstag, dem 18. Januar 2014, in der Villa Markersdorf die diesjährigen Teilnehmer des Handwerkerdienstes begrüßen. Über Skype wurde das Ehepaar nach Sachsen geholt. Die beiden werden unseren nächsten sieben Handwerkergruppen zur Seite stehen, wenn sie in Israel arbeiten.

Die vielen Helfer sind aus Sachsen, Baden-Württemberg und Nordrhein- Westfalen nach Markersdorf gekommen, um die Geschwister kennen zu lernen, mit denen sie bis Juni in Jerusalem und anderen Orten im Einsatz sind. An diesem Abend zeigt ein kurzer Einführungsfilm, warum die Sächsischen Israelfreunde Handwerker zu den Juden entsenden: helfen, trösten und versöhnen. Das ist der Auftrag mit dem jeder Einzelnen nach Israel geht.

Michael Sawitzki, der Koordinator des Handwerkdienstes „Hände zum Leben“, erklärt, wem die Teilnehmer helfen werden und worauf im Einsatz zu achten ist. Als Abschluss des Abends ist das Ehepaar Peter auf der Leinwand zu sehen. Nein, in Israel schneie es im Moment nicht, es sei eher frühlingshaft. Sie freuen sich schon auf die vielen Handwerker und Helfer und stehen mitten in den Vorbereitungen, damit der Dienst so reibungslos wie möglich abläuft.

Jochen und Ruth berichten aus Israel

Schon im Herbst 2013 waren Jochen und Ruth für zwei Monate in Jerusalem, um sich einzuleben und die Projektleitung vor Ort zu übernehmen. Drei Rundbriefe haben sie in dieser Zeit schon geschickt. Hier einige Auszüge daraus. Im Oktober 2013 schrieben sie kurz nach ihrer Ankunft:„Hier genießen wir eine wirklich schöne, von den Sächsischen Israelfreunden top einrichtete, Wohnung in einem stillen Randgebiet von Jerusalem. Unser Blick aus dem dritten Stock trifft auf große Kiefern, wo die Abendsonne durch blinzelt, und einige weiter entfernte Häuser.

Die kleine Asphaltstraße wird eng durch parkende Autos. Schräg gegenüber ist ein guter Gemüseladen. Der Verkäufer fragte uns, ob wir Touristen seien. Wir erklärten ihm kurz, was wir hier machen. Da ging sein Daumen nach oben: ‚Very good!‘. Englisch ist hier allgegenwärtig und der kleine Supermarkt ein paar Meter weiter hat auch schon die ersten Schekel von uns bekommen. Hier in unseren gemütlichen ruhigen ‚vier Wänden‘ vergisst man, dass noch 15 andere Wohnungen unter demselben Dach sind und der Wohnblock von außen eigentlich gar nicht schön aussieht.

Gestern am Schabbat waren wir sechs Stunden zu Fuß unterwegs, um die Stadt etwa kennen zu lernen. Sommerwetter (für deutsches Empfinden), quirliges orientalisches Großstadtflair, enge romantische ruhige Gassen, Häuser in jeder Qualität – von hässlich bis wunderschön, von alt bis neu, von freundlich hell-beige (heller Kalkstein) bis schmutzig-grau (verwitternder Beton), verwilderte Katzen, hässliche Müllecken, schöne Parks, bunte Spielplätze mit vielen Kindern und Eltern in den verschiedensten Hautfarben, blühende Sträucher, frisch grüner Rasen, trockener brauner Boden, Pfefferbäume mit roten Körnerbüscheln dran, Palmen, viele sonntäglich schick gekleidete jüdische Menschen.

Wir wünschten Vielen, die uns entgegenkamen, „Schabbat Schalom“, den Frieden des Schabbat, und ernteten freundliche Blicke. Von unserer Wohnung bis zum Stadtzentrum läuft man etwa eineinhalb Stunden. Am Abend, als wir wieder zu Hause waren, übte jemand drüben in einem anderen Haus Tonleitern und verschiede Melodien auf einem Blasinstrument (Horn oder Posaune).“

Als die erste Gruppe im Herbst eintraf, ging es mit den Arbeitseinsätzen los. Jochen berichtet: „Eine alleinerziehende Mutter brauchte dringend Hilfe. Sie wohnt in einer kleinen renovierungsbedürftigen Ein-Zimmer-Wohnung, hat einen zwölfjähriger Sohn und eine 14-jährige Tochter. Die Mutter kommt aus einer schwierigen Vergangenheit. Vor einiger Zeit hat sie ein neues Leben begonnen, weil sie zu Gott fand. Jetzt macht sie eine Berufsausbildung.

Sie liebt ihre Kinder sehr. Die Tochter lebt im Kinderheim, der Junge wohnt zu Hause und geht in die Schule. An den Wochenenden kommt die Tochter gern nach Hause. Das Jugendamt macht der Mutter zur Auflage, dass ordentliche Schlafstellen für jeden vorhanden sein müssen, sonst darf die Tochter nicht mehr nach Hause. Von Spendengeld kauften wir ein Doppelstockbett, ein Regal und einen kleinen Tisch. Das Aufstellen dieser Möbel und die Renovierung des Zimmers lösten viel Freude aus. Ein völlig neues Wohngefühl! Ja, eure und unsere Hilfe ist wichtig für alle Generationen.“

Auch in der zweiten Gruppe gab es herzliche Begegnungen und Ruth erzählte im dritten Rundbrief: „Im typisch israelisch kreativen Großstadtverkehr sind wir auf dem Weg zu der renovierungsbedürftigen Wohnung. Dort wurden wir herzlich von Rahel begrüßt, einer liebenswerten älteren Frau und orthodoxen Jüdin. Nachdem Jochen den Handwerkern erläutert hatte, worum es sich bei den Renovierungen handelt, wurden Möbel gerückt und abgedeckt, Wände abgespachtelt, Risse und Schadstellen beseitigt, gestrichen, sauber gemacht, eine Fliesenfuge repariert. Wir hatten einen guten und liebevollen Kontakt zu der alten Frau und wurden mit Getränken, Knabbersachen und selbstgebackenen Heferingeln bewirtet. Wir schauten gemeinsam Fotos an, erzählt mit Händen, Füßen und Wörterbuch in Englisch, Russisch, Hebräisch und Deutsch.

Die Arbeitsatmosphäre war gut und entspannt, jeder bringt sich ein, jeder ordnet sich ein. Immer wieder hörten wir ein ‚Danke‘ von Rahel. Jochen düst mit dem Auto von A nach B und C, besorgt Farbe, trifft Sozialarbeiter, schaut neue Baustellen an. In der Bibel im Buch Ruth lesen wir: ‚Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott.’ Dieser Satz ist immer eine wunderbare Brücke von uns zu den jüdischen Menschen. Erstaunte, frohe Augen, Umarmung und Küsse sind die Antwort von Rahel.“

Dann berichtete Jochen noch von einem besonderen Erlebnis: „Volker und ich waren unterwegs, um die Wohnung einer älteren Frau anzusehen. In kurzer Zeit hatten sich zwei weitere ältere Damen dazugesellt und es gab Kuchen und Tee. Beim Abschied sagte plötzlich eine von ihnen: ‚Könnt ihr mich bitte noch segnen?‘ Wir waren sprachlos und schauten uns erst einmal an. Da steht eine 91-jährige Frau, mit Kindheit in Auschwitz, und bittet zwei deutsche Männer, sie zu segnen. Was hättet ihr getan? Wir stellten uns um sie mit den anderen Frauen und sprachen den Aaronitischen Segen auf Hebräisch. Während wir gehen, kommt aus einem Nebenzimmer eine von den anderen Frauen und sagt: ‚Mich bitte auch.‘ Ich finde darauf nur eine Antwort – ‚Glücklich die Trauernden, denn sie werden getröstet werden!‘ (Matthäus 4,5)“

Wen sollen wir trösten?

Die vielen Begegnungen, Eindrücke und Erlebnisse in den wenigen Wochen brachten Jochen und Ruth zum Nachdenken. Wen hat Gott gemeint, als er in Jesaja 40,1 sagte: „Tröstet, tröstet mein Volk!“ Ihre Gedanken dazu geben uns Jochen und Ruth mit auf den Weg:

„Wenn Gott uns schon auf´s Herz legt, sein Volk zu trösten, wen meint er da wohl? Das ist hier gar nicht so leicht zu beantworten. Meint er die orthodoxen Juden, die deshalb nicht arbeiten, weil sie ihre Zeit zum Studium der Thora verwenden? Oder meint er die messianischen Juden, die Jesus als den Messias erkannt haben? Oder meint er die aus der ganzen Welt herbeikommenden Juden, denen man von weitem schon ansieht, dass sie aus Afrika oder Indien kommen? Oder meint er die Alten, Vergessenen, die in aller Stille ihre Einsamkeit erdulden? Meint er die jungen Familien, die gerne vier bis sieben Kinder haben und mit Pioniergeist das Land bewirtschaften? Oder meint er am Ende sogar die, die nach ihrem Pass Israelis sind und doch arabischer Abstammung?

Die Antwort bekommen wir hier aus der Tiefe unseres Herzens. Wer sich einpfropfen lässt in den Ölbaum, wird von der Wurzel gespeist. In diesem Ölbaum sind wir eins. Es braucht keine Unterscheidung mehr in bedürftig und nicht bedürftig. Wenn unser Gott uns in einen edlen Ölbaum einpflanzt und uns zuruft, sein Volk zu trösten, muss ich nicht fragen, ‚Wen denn?’, ich bin ja mitten drin. So verstehen wir auch unseren Dienst – mittendrin. Das heißt, viele von den Menschen, bei denen wir arbeiten, haben direkt oder indirekt mit dem Holocaust zu tun.

Andere wiederum benötigen aus anderen Gründen Hilfe. Die geben wir ihnen gern. Den Lohn dafür nimmt jeder auf ganz persönliche Art mit nach Hause. Er besteht oft aus Tränen der Freude, herzlichen Beziehungen, tief bewegten Herzen und der Entscheidung wiederzukommen. Unser Gott mag Tröster und Getröstete. Danke, dass wir das mit eurer Hilfe tun können.“

Was heißt Dachpappe auf Hebräisch?

Während Jochen und Ruth ihre ersten Schritte als Projektleiter der Handwerkerdienste in Jerusalem taten, hatten sie noch eine außergewöhnliche Aufgabe zu leisten. Denn im November reiste die Regisseurin Ilona Rothin, die bereits einen kurzen Film über die Handwerkereinsätze gedreht hat, mit einem Kamerateam an. Für den MDR drehte sie nun einen halbstündigen Beitrag über die Handwerker.

Die Dokumentation wurde unter dem Titel „Was heißt Dachpappe auf Hebräisch?“ am 27. Januar 2013 vom MDR ausgestrahlt. An diesem Tag, dem Holocaust-Gedenktag, lud der Präsident des Sächsischen Landtages Lothar Klein, Wilfried Gotter, Ilona Rothin, Michael Sawitzki und alle Handwerker, die an diesem Film mitwirkten, zu einer Gedenkstunde in den Plenarsaal nach Dresden ein. (Link zum Bericht, siehe unten)

Wir kommen wieder

Neben dem Handwerkerdienst steht auch der Aufbau eines Besuchsdienstes als zentrale Aufgabe in diesem Jahr an. Durch den Langzeitaufenthalt von Jochen und Ruth ergibt sich die Chance, den Besuchsdienst von Elisabeth Schroth endlich weiterzuführen. Ruth wird in den nächsten Monaten versuchen, mit den alten Menschen in Kontakt zu treten, um die sich Elisabeth Schroth gekümmert hat.

Eine Liste mit Namen von Menschen, denen unter anderem die Handwerker bereits geholfen haben, wurde an Ruth Peter übergeben. Wer den Dienst von Jochen und Ruth Peter finanziell unterstützen möchte, kann dies gern mit einer einmaligen Spende oder auch mit monatlichen Spenden auf folgendes Konto tun:

Sächsische Israelfreunde e.V.
„Hände zum Leben“
IBAN: DE16870961240090061941
BIC: GENODEF1MIW
Kreditinstitut: Volksbank Mittweida eG
Spendenzweck: Spenderkreis Besuchs- und Handwerkerdienst

Für den Langzeiteinsatz der beiden brauchen wir Eure Spenden, um die Wohnung, Lebensmittel und viele weitere Kosten des täglichen Lebens bezahlen zu können. Jede Spende ist willkommen!

Der Gebetsbrief für den Handwerkerdienst und auch der Rundbrief von Familie Peter werden an alle per E-Mail versandt, die sich für den Newsletter angemeldet haben.

Wir freuen uns über alle Beter und Unterstützer!


Handwerkerdienst, Jochen Ruth Peter, Israel, Hilfe für Holocaustüberlebende
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