Nachruf auf Elisabeth Schroth

23.09.2012 |
Elisabeth Schroth

Elisabeth Schroth
*11. April 1950 †12. Mai 2012

Im März 2009 lernten die sächsischen Handwerker Elisabeth Schroth in Jerusalem kennen und lieben. Ein Handwerker erinnert sich: „An einem warmen Märztag kam ein Mitarbeiter der Internationalen Christlichen Botschaft auf mich zu und fragte, ob ich ihm einmal für eine halbe Stunde helfen könne. Es sollte ein Sofa zu einer Frau in Jerusalem geliefert werden. Kein Problem! Wir waren mit unserer Arbeit gut voran gekommen und so fuhr ich mit dem Mitarbeiter mit, einmal quer durch die Stadt, für eine halbe Stunde und traf diese ältere, auf dem ersten Blick leicht überdrehte, vor Energie strotzende und vor Liebe überschwelgende Elisabeth.

Ich weiß nicht, welche Freude größer war, die, sich über das neue Sofa zu freuen, das wir vier Stockwerke hoch geschleppt hatten? Oder war es die Freude, dass sie, Elisabeth, ihr altes Sofa einer älteren, mittellosen Dame geschenkt hatte, und das wir gleich mitnehmen und ihr bringen konnten! Doch vorher wurden wir noch mit Tee und Zitronenrolle verwöhnt und gestärkt!

Also nahmen wir das noch sehr neu aussehende, ältere Sofa, brachten es ins Auto und fuhren mit Elisabeth zu einer älteren Dame in einer sehr spartanisch eingeräumten Wohnung. Sie erzählte, dass sie sich um diese Frau kümmere und wie sie von Gott diese Berufung bekommen hatte. Ich erzählte im Gegenzug über unsere Arbeit in Israel und sah dabei ihre Augen leuchten. Sie meinte, dass sie viel Arbeit für uns habe und wir ihr und den alten Leuten helfen können.

an ein Weiterarbeiten gedacht und meinte, Gott hat uns eine einmalige Begegnung geschenkt. Für Elisabeth war dies anders. Sie sah die Tür, die Gott ihr geöffnet hatte. Sie hatte es als selbstverständlich verstanden, dass Gott uns schickte, um ihr zu helfen und seinem Volk zu dienen. Einen Monat später, wir waren wieder zuhause, kam ihre erste E-Mail. Ich leitete sie an Michael Sawitzki weiter und im darauf folgenden Jahr renovierten wir Wohnungen von HolocaustÜberlebenden, die uns Elisabeth vermittelt hatte und die sie betreute.

Die Zeit mit Elisabeth war für uns auch eine kulinarisch Segenszeit. Oft freuten wir uns schon Tage darauf: „Heute gehen wir zu Elisabeth, Pizza essen!“ Sie backte die beste Pizza in ganz Jerusalem, und zum Nachtisch gab es Zitronenrolle und frische Erdbeeren mit Sahne! Für uns, und im Speziellen für mich, ist Elisabeth zum Segen geworden. Sie öffnete uns Türen, die fest verschlossen zu sein schienen, mit einem Lächeln und mit ihrer Liebe und Hartnäckigkeit. Zu Elisabeth zu kommen, war immer wie ein Stück nachhause zu kommen. Man wusste, da ist jemand, der einen kennt und liebt.

Ihr Bruder, Fritz Schroth, berichtet von ihrer Berufung und ihrem letzten Weg: „2005 erlebte Elisabeth Schroth einen tiefen, sie erschütternden Einschnitt in ihr Leben. Bei ihr wurde ein Brustkrebs diagnostiziert. Dabei spürte sie innerlich, dass Gott sie in den Höhen und Tiefen leitete und führte. Medizinisch konnte der Brustkrebs damals bewältigt werden. Durch die Erkrankung kam es in ihrem Leben zu einer neuen, anderen Berufung. Sie kam mit der Geschichte jener Kinder in Berührung, die von Hamburg auf einen Todesmarsch in ein Vernichtungslager geschickt wurden, weil sie jüdischer Abstammung waren. Den Überlebenden des Holocaust zu helfen, brannte sich als Berufung und Aufgabe in ihr Sein und Leben.

Das Ziel vor Augen machte sie sich entschlossen auf den Weg der Vorbereitung und Durchführung ihrer Berufung. Hindernisse nahm sie als Herausforderungen an, die zu bewältigen waren. So wurde das Projekt „Erew tov, Naomi“, „Guten Abend, Naomi“ geboren. Ihr Dienst geschah selbstlos und in zeugnishafter unbelasteter Weise an denen, die den Holocaust überlebt hatten, nun hochbetagt waren und deren zeitliches Ende absehbar war.

Diesen Dienst führte sie in den letzten vier Jahren aus. Als sie Ende Januar 2012 aus Israel zurückkam, hatte sie Beschwerden beim Atmen. Im Krankenhaus wurde spät, aus menschlicher Sicht zu spät erkannt, dass sich der Brustkrebs über die Lungen ausgebreitet und so entwickelt hatte, dass es medizinisch keine Hilfe mehr gab. Ich konnte, neben anderen, Elisabeth in den letzten Wochen begleiten. Dabei feierten wir regelmäßig das Heilige Abendmahl als eine Stärkung auf dem schwierigen und dornigen Weg der Krankheitsentwicklung.

Ihre irdische Leidenszeit endete in den Abendstunden am Samstag, dem 12. Mai 2012, im Alter von nur 62 Jahren. Sie hatte alles vorbereitet: Den Fortgang ihrer Arbeit, legte sie in die Hände der Sächsischen Israelfreunde. Sie wählte das Wort über ihrer Todesanzeige: „Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet“. Dabei hat sie ein Wort der Heiligen Schrift befolgt: „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, damit wir klug werden“.


Handwerkereinsatz, Zeugnishaftes
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