Interview mit Ruth und Jochen Peter

Die Sächsischen Israelfreunde erweitern ihren Dienst in Israel

03.04.2013 | von Andrea Messig-Wetzel, Lugau
Ruth und Jochen Peter

Ruth und Jochen Peter aus Zeulenroda gehen für die Sächsischen Israelfreunde als Volontäre für mindestens ein Jahr nach Jerusalem.

Liebe Israelfreunde,
in der letzten LeChaim-Ausgabe und in unserem Weihnachtsbrief berichteten wir bereits über das Ehepaar Ruth und Jochen Peter aus Thüringen, die für mindestens ein Jahr nach Jerusalem gehen werden. Sie helfen uns, in Israel den Besuchsdienst von Elisabeth Schroth weiter zu führen und die Handwerkergruppen zu koordinieren. Elisabeth Schroth verstarb im Mai letzten Jahres und hinterließ den Sächsischen Israelfreunden ihren Dienst. Sie besuchte während ihrer Aufenthalte in Israel Holocaust-Überlebende und teilte mit ihnen Sorgen und Freuden, nahm sich ihrer Geschichte an und half ihnen bei ihren täglichen Hausarbeiten.

Als Verein fühlen wir uns geehrt, diesen Dienst weiterzuführen. Er stellt neben dem Handwerkerdienst eine zweite wichtige Säule dar, wenn wir dem Auftrag „Tröstet, tröstet mein Volk“ folgen. Wir haben gelernt, dass der Besuchsdienst mehr als nur einen zweiwöchigen Aufenthalt in Israel erfordert. Beziehungen, die wir während der Handwerkereinsätze geknüpft haben, müssen gepflegt werden. Dazu gehören ständige Besuche und ein regelmäßiges Gespräch.

Für den Handwerkerdienst 2012/2013 haben sich bis jetzt über 100 Handwerker und Helfer angemeldet. Von Januar bis Mai werden durchgängig Handwerker von Ort sein. Das bedeutet, ständig mit Organisationen und Privatleuten zur Koordinierung der Projekte in Kontakt zu sein. Wir brauchen eine Person, die alle Bauprojekte begutachtet, die Gruppen einteilt und sie während ihres Einsatzes begleitet. Bisher hat Michael Sawitzki einen Großteil dieser Aufgaben von Deutschland aus geleistet.

Neben seinem Beruf, dem Aufbau eines Geschäftes, plante und organisierte er die Gruppen und Projekte. Bei einer einwöchigen Vorbereitungsreise und einem zum Teil sechswöchigen Aufenthalt gemeinsam mit den Handwerkergruppen in Israel konnte er die Projekte gut organisieren. Auch die seit drei Jahren eingesetzten Teamleiter, die sich um die Kleingruppen von acht Personen selbständig vor Ort kümmern, helfen sehr, die Bauprojekte gut und schnell zu bearbeiten.

Dem ständigen Wachstum des Handwerkerdienstes müssen wir aber Rechnung tragen und sehen, dass eine Vorbereitung und Organisation von Deutschland aus größtenteils nicht mehr zu bewältigen ist. Der Besuchsdienst, die permanente Betreuung unserer Handwerker vor Ort sowie die umfangreiche Organisation des Handwerkerdienstes führte uns zu der Überlegung, ein oder zwei ständige Mitarbeiter nach Jerusalem auszusenden. Bis wir soweit waren, dieser Idee Raum zu geben, hat aber Gott schon den Weg geebnet und uns ein Ehepaar – Ruth und Jochen Peter – geschickt, das für diesen Dienst bereit ist. Wir haben mit den beiden gesprochen und wollen sie nun gern unseren Lesern vorstellen.

Interview mit Ruth und Jochen Peter

Le Chaim: Ruth und Jochen, Ihr habt als Ehepaar den Ruf nach Israel gehört und wollt in Jerusalem eine Zeit lang als ständige Vertreter der Sächsischen Israelfreunde arbeiten. Wie seid Ihr ursprünglich zu diesem Dienst gekommen?

Jochen: 2008 konnten wir zum ersten Mal als Touristen in Israel sein und unsere Eindrücke brauchten Zeit, zur Ruhe zu kommen und sich zu ordnen. Wir fuhren damals nach Israel mit vielen Gedanken: Israel – das Land der Bibel – endlich selbst erleben, mit so mancher Bibelstelle im Hinterkopf; wie sieht Israel im Jahr 2008 aus; werden wir Kontakt zu Israelis haben, vielleicht sogar zu gläubigen Juden; was ist das Besondere an diesem Land und diesem Volk; was möchte Gott, dass wir es verstehen? Wir wussten, diese Reise 2008 ist ein guter Anfang gewesen. Wir wollten aber nicht nur Touristen bleiben. Viel wichtiger war die Frage für uns, wie könnte es möglich sein, Israel zu segnen? Wir wollten das Volk trösten, und das trotz unserer deutschen Vergangenheit. Ruth: Mit den Sächsischen Israelfreunden kamen wir vor einigen Jahren in Kontakt, als wir eine Gemeindeveranstaltung der Sächsischen Israelfreunde hier in unserer Nähe besuchten. Johannes Gerloff war da und berichtete. Wilfried Gotter gab einen Einblick in die Arbeit des Vereins. Von da an bekamen wir die „LeChaim“.

LeChaim: Was hat Euch bewegt, für eine längere Zeit nach Israel zu gehen?

Ruth: Beim Trösten unserer Kinder ging es immer um Nähe. Also überlegten wir, wie wir Israel näher sein könnten als nur durch Gebet. Konkrete Vorstellungen gab es da noch nicht. Es konnte aber nicht schaden, schon mal einen Grundkurs für hebräische Sprache bei Uwe Seppmann in Mecklenburg zu besuchen. Wir sind beide Handwerker, aber auch Heilerziehungspfleger. Wäre es eine Möglichkeit, für ein Jahr in einer Behinderteneinrichtung in Israel zu arbeiten? Es ergab sich kein Weg. Inzwischen hatten wir durch „LeChaim“ vom Handwerkerdienst der Sächsischen Israelfreunde erfahren. Jochen: Da sagte ich zu Ruth: „Das wäre doch was für uns“. 2012 waren wir dabei. Unsere Erlebnisse und Empfindungen sind schwer mit drei Sätzen zu beschreiben. Ich versuche es trotzdem. Wir haben Mitverantwortung für das Aufarbeiten der deutsch-jüdischen Vergangenheit. In den Begegnungen mit Holocaust-Überlebenden und anderen Israelis erlebten wir Vergebung, Versöhnung, Trost und Schalom. Wir sind sehr gesegnet nach Hause gefahren. Bei dieser Handwerkerreise erfuhren wir von der Notwendigkeit, dass jemand in Israel vor Ort diese Arbeit koordinieren müsste. Nach reiflicher Überlegung sagten wir zu Gott: „Wenn du uns dafür gebrauchen möchtest, du hast unser Ja. Wir möchten mithelfen, den Menschen in Israel Liebe, Wertschätzung und Versöhnung zu bringen.“ Später erzählten wir Michael Sawitzki von unseren Gedanken. So, wie es aussieht, nimmt Gott uns beim Wort.

LeChaim: Erzählt unseren Lesern doch bitte kurz von Euch, über Eure Familie und Gemeinde, woher Ihr kommt.

Ruth: Ich wurde 1956 in Jena geboren und habe nach dem Abschluss der 10. Klasse eine Lehre als Töpferin in Bürgel gemacht. Danach arbeitete ich als Töpferin in der Arbeitstherapie der Neinstedter Anstalten und absolvierte später ein Fachschulstudium zur Heilerziehungspflegerin. Jochen: Ich komme aus Annaberg-Buchholz, wo ich 1957 geboren wurde. Nach meinem Schulabschluss begann ich eine Lehre als Instandhaltungsmechaniker in Neudorf (Erzgeb.) und arbeitete danach während eines Diakonischen Jahres im Julius-Schniewind- Haus in Schönebeck-Salzelmen. Anschließend ließ ich mich zum Diakon in den Neinstedter Anstalten ausbilden und absolvierte auch ein Fachschulstudium zum Heilerziehungspfleger. In diesem Beruf arbeitete ich dann auch. 1980 heiratete ich Ruth. 1985 zogen wir nach Förthen bei Zeulenroda und richteten uns eine Töpferei ein. Ich legte meine Meisterprüfung als Keramikmeister ab und arbeitete zwischenzeitlich einige Jahre bei einem Steinmetz, im Innenausbau und bei einem Parkettleger. Ruth: Wir haben vier Kinder. Maria, Stephan, Magdalena und Michael wuchsen in Förthen auf, besuchten die Schule, initiierten hier zu Hause eine Lobpreisband und wir gestalteten gemeinsam viele Lobpreisgottesdienste. Inzwischen sind sie aus dem Haus, führen ihr eigenes Leben und wohnen arbeitsbedingt in anderen Gegenden Deutschlands. Sie arbeiten heute als Bildungsreferentin im Naturschutz, Lehrer für Religion und Geographie, Physiotherapeutin, Fluggerätemechaniker. Sie bejahen unsere Israelpläne. Jochen: Unsere geistliche Heimat war von Kindheit an die evangelische Landeskirche. Wir waren engagiert bei der Sache. Aber es entstanden Fragen: Ist der Heilige Geist wirklich erlebbar? Wie geht der Jesus-Lebensstil? Dürfen sich Traditionen verändern? Das war die Sehnsucht nach mehr und wir machten uns auf die Suche außerhalb unserer Kirchgemeinde. Bei Seminaren und Konferenzen fanden wir Menschen mit Begeisterung und Leidenschaft für Jesus und Treue zur Bibel. Neu dabei war für uns das Thema Israel. Wir begannen zu ahnen, dass das Volk und das Land Israel nach Gottes Plan eine zentrale Bedeutung in der Weltgeschichte haben. Inzwischen gehören wir zu einer weltweiten Hausgemeindebewegung. Wir bedauern es sehr, dass das Thema Israel in vielen Kirchen und Gemeinden kaum eine Rolle spielt. Ruth: Mit einem guten Freund haben wir uns als Lobpreisband neu formiert und feiern regelmäßig Lobpreisabende. Unsere Gemeinde ist eine sehr lebendige, weltweite Hausgemeindebewegung (Hope of God, Hoffnung Deutschland), hat in Deutschland mittlerweile ca. 800 Mitglieder. Zu unserer Hausgemeinde hier vor Ort gehören momentan sechs Familien mit Kindern jeden Alters. Wir treffen uns wöchentlich. Das ist jedes Mal sehr familiär. Einer unserer Kernverse steht in Apostelgeschichte 2,42: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.“ Einmal im Jahr findet ein Regionaltreffen mit anderen Hausgemeinden statt und einmal im Jahr ein großes Festival. Unsere Vision ist, Menschen von Jesus zu erzählen und sie für den Jüngerschaftslebensstil mit IHM zu gewinnen.

LeChaim: Woher kommt Eure Liebe zu Israel?

Ruth: Wir haben zu Jesus oft gesagt: „Hier sind wir, geh deinen Weg mit uns.“ Und irgendwie kam dann die Liebe zu Israel dazu. Sie ist kein Hobby, sondern gehört einfach in das Herz jedes Christen. Wir verstehen immer mehr, dass Gott das Land und das Volk Israel ganz besonders auf dem Herzen hat. Und was gibt es Schöneres, als eine Liebe für etwas im Herz zu entwickeln, wofür auch Gottes Herz schlägt. Egal, was die öffentliche Meinung gerade sagt.

LeChaim: Was erwartet Ihr von Eurem Dienst in Israel?

Jochen: Unser Dienst wird im Wesentlichen zwei Aufgabenbereiche umfassen, die Koordinierung der Handwerkereinsätze und den Besuchsdienst bei Holocaustüberlebenden. Auch eine gute Freizeitbetreuung der Handwerkergruppen ist uns wichtig. Ruth: Wir ahnen, dass von vielen Seiten große Erwartungen an uns gerichtet sind. Wir sind nicht perfekt und hoffen, mit Gottes Hilfe trotzdem einen guten Dienst tun zu können. So gut, dass die Handwerkereinsätze optimal gelingen und die Hilfe aus Deutschland in Israel gern angenommen wird. Wir wünschen uns, dass viele persönliche Kontakte entstehen. Auch möchten wir hineinwachsen in die Sprache und Kultur Israels.

LeChaim: Welche Unterstützung erwartet Ihr von den Sächsischen Israelfreunden? Warum wollt Ihr als Freiwillige ausgerechnet für die Sächsischen Israelfreunde in Jerusalem arbeiten?

Ruth: Wir brauchen und erwarten vor allem: Gebet, Gebet, Gebet. Jochen: Da wir noch nicht so viel Erfahrung in Israel haben, brauchen wir sicher besonders in der Anfangsphase organisatorische Beratung und Unterstützung, was ja auch jetzt bei den Vorbereitungen schon geschieht. Die finanzielle Versorgung des Projektes sollte durch die Beteiligung vieler Freunde gut gelingen. Warum ausgerechnet für die Sächsischen Israelfreunde? Wir sehen es so: Gott hat uns die Sächsischen Israelfreunde über den Weg geschickt und wir nehmen seinen ‚Wink mit dem Laternenmast‘ gern an. Die Chemie stimmt. Wir sind gern für Gottes Pläne tätig. Bisher waren wir hier in Deutschland verankert. Nun sind wir sehr gespannt auf den neuen Weg.

LeChaim: Welche Vorbereitungen für Euren Umzug nach Jerusalem habt Ihr bereits getroffen?

Jochen: Wir sind dabei, uns hier entbehrlich zu machen. Die Jahreslosung macht uns Mut dazu. Das bedeutet, wir haben eine To-do- Mappe angelegt. Gemeinsam mit unseren Kindern, Freunden, Nachbarn, unserer Hausgemeinde und unseren Kunden sind wir darüber im Gespräch. In unserer Hausgemeinde arbeiten wir den Israel-Grundkurs ‚Warum Israel‘ durch und bereiten ein jüngeres Ehepaar darauf vor, die Hausgemeindeleitung zu übernehmen. Wir überlegen organisatorische Absprachen wegen unseres Gehöfts. Englisch ist unsere Lernaufgabe und die Grundlagen vom Hebräischkurs halten wir warm. Verschiedene Dauerabos und ähnliches sind schon gekündigt.

LeChaim: Was muss vor Eurer Abreise noch geklärt werden?

Ruth: Wer übernimmt wann welche Aufgaben in unserem Gehöft, die Finanzierung dieses Israelprojektes, Anfertigung der letzten Bestellungen in unserer Töpferei, rechtliche Dinge in Bezug auf unsere Töpferei, An- und Abmeldungen bei Versicherungen und Daueraufträgen. Auch überlegen wir, welche Reisekoffer aus dem großen Angebot der Hersteller denn die Richtigen sind? Welche Anforderungen muss ein Handy in Israel erfüllen, um auch gut mit den Kontaktleuten in Deutschland zu kommunizieren. Welche Frequenz darf das Herzklopfen nicht übersteigen? Gefühlt etwa 1000 Fragen.

LeChaim: Vielen Dank, Ruth und Jochen, für das Gespräch.

(Das Gespräch führte Andrea Messig-Wetzel.)

Unterstützung für Jochen und Ruth Peter Die beiden haben erzählt, wie sie den Ruf in den Dienst gehört haben und ihm folgen wollen. Sie stehen im Moment mitten in den Vorbereitungen, nach Israel zu gehen. Es sind schon viele Steine auf dem Weg dahin ausgeräumt. Dennoch brauchen sie und wir bei diesem Vorhaben Eure Hilfe, liebe Leserinnen und Leser. Die Sächsischen Israelfreunde können einen solchen Dienst als Verein nicht allein tragen. Dazu fehlen uns die finanziellen Ressourcen. Wir möchten gern für diesen Dienst einen Spenderkreis gründen und bitten Euch Gott zu fragen, ob Ihr Teil dieses Kreises und damit dieses Dienstes werden sollt.

Der Kreis, aus dem Elisabeth Schroth ihre Unterstützung erhielt, hilft uns bereits, eine kleine Wohnung in Jerusalem zu unterhalten. Damit ein Ehepaar in Israel leben kann, reichen die Spenden allerdings nicht. Unser Ziel ist es, monatlich 4.000 Euro zu sammeln, um Unterkunft, Verpflegung und ein Auto bereit zu stellen. Dieser Spenderkreis sollte für die nächsten zwei Jahre bestehen. Der Dienst von Jochen und Ruth ist ab April 2013 geplant.

Wer regelmäßig oder auch einmalig für den Besuchs- und Handwerkerdienst von Ruth und Jochen Peter spenden möchte, kann seinen Beitrag auf folgendes Konto überweisen:
Sächsische Israelfreunde e.V.
„Hände zum Leben“
Kontonummer: 197 014 610
Bankleitzahl: 870 961 24
Kreditinstitut: Volksbank Mittweida eG
Spendenzweck: Spenderkreis Besuchs- und Handwerkerdienst

Wie wir erfahren haben, erwarten die beiden vor allem unsere Unterstützung im Gebet. Wenn Du Dich für unseren Verteiler für den regelmäßigen Gebetsbrief anmelden möchtest, kannst Du das unter ww.zum-leben.de/ newsletter/ tun. Der Gebetsbrief kommt dann per E-Mail zu Dir nach Hause.


Israel, Dienst, Israelfreunde, Handwerker
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Ellen aus Jerusalem
24.11.2013 16:14 Uhr
Bitte sagt den beiden, dass es im Gebetshaus Sukkat Hallel in der Ein Rogel Strasse 5 auch eine deutsche Watch gibt - eine Zeit, in der wir auf Deutsch fuer Israel und Deutschland beten und Jesus anbeten.

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