Gebets- und Fastenwoche in Auschwitz

26.04.2015 | von Regina Lohse
zerstörte Gaskammer, die sich unterirdisch befindet

zerstörte Gaskammer, die sich unterirdisch befindet

Tage später feierten wir Christen aus den Nationen mit den jüdischen Glaubensgeschwistern den Beginn des Schabbat

Tage später feierten wir Christen aus den Nationen mit den jüdischen Glaubensgeschwistern den Beginn des Schabbat

Zu dieser besonderen Gebetswoche anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des Vernichtungslager Auschwitz sind 150 Teilnehmer aus mehreren Ländern angereist. Der Schwerpunkt dieses Treffens lag auf Gebet der Buße und Versöhnung der Christen mit den jüdischen Glaubensgeschwistern. Denn unsere gemeinsame geistliche Nahrung beziehen wir aus der Wurzel des Ölbaumes, in dem wir hinein gepfropft sind. (Römer 11,17)

Nun stehen wir hier im Vernichtungslager Auschwitz, am dem Ort des Grauens, der unvorstellbaren Brutalität, des Millionenfachens Mordes an Jüdischen Männern, Frauen und Kindern. Sie wurden aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Ungarn, Polen und aus anderen Ländern deportiert. Das heißt in Viehwagons zusammen getrieben, ohne Essen, Trinken und Toiletten. Die Züge endeten in Auschwitz- Birkenau, dort ging ein direkter Weg zur Judenrampe. An diesem Ort wurde vom SS-Arzt Dr. Mengele und von Reichsführer SS Heinrich Himmler über Leben und Tod entschieden, Leben zur Zwangsarbeit oder Tod in den Gaskammern. Das Ziel war dasselbe – Vernichtung.

Vorher mussten sich die Menschen ausziehen und ihre Kleidung an nummerierte Haken hängen, um sie nach dem angeblichen Bad wieder zu finden. In die Gaskammer von 210 Quadratmeter stopfte man ungefähr 2000 Opfer hinein, dann verschloss man den Raum. Das Giftgas Zyklon B kam durch die Duschvorrichtung an der Decke. Der Todeskampf im Raum dauerte etwa 20 Minuten. Nach 30 Minuten wurde geöffnet, um den Toten die Goldzähne herauszubrechen und die Ringe abzureißen, bevor sie zu den Verbrennungsöfen transportiert wurden. Die Verbrennungsöfen, die Tag und Nacht nicht ausgingen, schafften die Menge der Leichen nicht, dann kamen sie auf den Scheiterhaufen. Am Ende das Aschefeld, wo die Überreste der Verbrannten hingeschüttet wurden.

Im Hauptlager in einzelnen Baracken sind Berge von Koffern mit Namen, Kleidung und Schuhe von Männern, Frauen und Kindern. Brillen, Zahnbürsten, Essgeschirre. Prothesen von Armen, Beinen, Hüften usw. Menschenhaare, Zähne, alles was ab- und herausgerissen werden konnte, um es weiter zu verwenden. Angesichts diesen unfassbaren und auch nicht mit Worten auszudrückenden Tatsachen, die hier geschehen sind, ist es unmöglich zu schweigen oder gar einen Schlussstrich zu ziehen. Wir als deutsche Nation müssen Verantwortung übernehmen, dass so etwas nie wieder geschehen kann. Es sind Menschen gewesen, die Menschen vernichtet haben. Es sind Deutsche gewesen, die Juden vernichtet haben. Es sind Christen gewesen, die Juden vernichtet haben. In Galater 6,7 steht geschrieben „Was der Mensch sät, das wird er ernten.“

Die jüdischen Familien wurden brutal auseinander gerissen. Es wurden unzählige Kinder getötet, auch Ungeborene im Mutterleib. Frauen und Kinder wurden missbraucht. Der grenzenlose Hass bis zur Vernichtung ist nicht erst in der Nazizeit aufgekommen. Er hat seine Wurzeln in der christlichen Irrlehre, dass Gott sein Volk verworfen habe und die Kirche an dessen Stelle getreten sei.

Der Schmerz in meinem Herzen ließ mich nur noch schreien und bitterlich weinen. Meine Frage an den HERRN Jesus Christus: Gibt es dafür Vergebung? Ja, durch Buße und Umkehr, durch demütige Herzenshaltung, durch Liebe am Nächsten und besonders gegenüber dem jüdischen Volk.

Die Gemeinschaft mit den jüdischen Glaubensgeschwistern war eine barmherzige und gnadenvolle Zeit, ein Geschenk des HERRN, eine Vergebung und Versöhnung durch den HERRN Jesus Christus. Denn ER ist unser Friede. ER hat aus beiden eins gemacht und die Zwischenwand der Umzäunung, die Feindschaft in seinem Fleisch abgebrochen. Um die beiden in einem Leib mit Gott zu versöhnen durch das Kreuz, durch das Er die Feindschaft getötet hat. (Epheser 2,14, 16)


Auschwitz, Gedenken, Christen, Juden
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