Erklärung der 20. Sächsischen Israelkonferenz

03.06.2016 | von Lothar Klein
Lothar Klein - Verlesung der Erklärung zur 20. Israelkonferenz

Lothar Klein - Verlesung der Erklärung zur 20. Israelkonferenz

Wir, der Verein der Sächsischen Israelfreunde e.V., haben uns im 50. Jahr der Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel gegründet, um uns mit der Judenfeindschaft in der Kirchengeschichte, – insbesondere mit der Enterbungslehre – auseinanderzusetzen und die ewig gültige Erwählung der Juden als das Volk Gottes, deren Rückkehr in das verheißene Land Israel und die Bedeutung des hebräischen Denkens für das Verständnis der Bibel als das Wort Gottes in den Fokus der Kirche zu stellen.

Ebenso haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, uns der während der SED-Diktatur verdrängten gesamtdeutschen Verantwortung für die Verfolgung und Ermordung von 6 Millionen europäischen Juden unter der NS-Diktatur zu stellen und die Verstrickung von Menschen auch in Sachsen in den Holocaust offenzulegen. Weil viele der Täter auch aus Sachsen kamen, sehen wir es als unseren Auftrag an, den Überlebenden der Schoah von Sachsen aus zu trösten und ihnen mit praktischer Hilfe in Israel beizustehen. Wir nehmen damit den Auftrag des Ewigen Israels aus Jesaja 40,1 an und seine Verheißung an Abraham aus Genesis 12,3 ernst: „Ich will segnen, die dich segnen und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“

Als Bürgerinnen und Bürger des bis zum Oktober 1989 kommunistisch beherrschten Teils Deutschlands sehen wir es aber auch als Verpflichtung an, uns kritisch mit der in der DDR praktizierten Feindschaft gegenüber dem Staat Israel auseinanderzusetzen.

Doch nach Jahrzehnten unseres Engagements für das jüdische Volk und den Staat Israel müssen wir feststellen, dass die Sympathien der Weltgemeinschaft nicht dem immer noch von proklamierter Vernichtung bedrohten Juden und dem Staat Israel als einziger Demokratie des Nahen Ostens gilt, sondern den Nachfahren derer, die mit den Nationalsozialisten bei der Judenvernichtung kollaboriert haben, um für die Zeit nach dem Sieg über die Juden zu lernen. Bis heute wird Adolf Hitler in der arabischen Welt verehrt. Sein judenfeindliches Buch und andere antisemitische Hetzschriften gehören dort bis heute zu den Bestsellern. Die Hetze gegen die Juden und den Staat Israel in islamischen Medien lehnt sich deutlich an die NS-Propaganda an und hat unmissverständlich nicht nur die Vernichtung des Staates Israel sondern aller Juden weltweit zum Ziel. Dennoch fordert die UNO Israel auf, denen, die es vernichten wollen, dabei in ergebnislosen Friedensverhandlungen auf halbem Wege entgegen zu kommen. Denn für allzu viele UN-, EU- und auch US-Politiker stehen wirtschaftliche Interessen in der islamischen Welt oder aber Angst vor dieser gegenüber der Existenz des jüdischen Staates im Vordergrund. Seit Jahrzehnten legt die UNO bei der Bewertung von Vorgängen im Nahen Osten einen doppelten Standard an. Dieses Messen mit zweierlei Maß kann nur als Antisemitismus identifiziert werden.

Während Israel zum ständigen Kampf gegen den palästinensischen Terror herausgefordert ist, gibt es viele Stimmen in der Europäischen Union, und zwar nicht nur aus dem rechts- und linksextremistischen Spektrum, sondern auch aus der bürgerlichen Mitte demokratischer Gesellschaften und aus den Kirchen, die islamischen Judenhass und Terror als legitimen Widerstand tolerieren oder gar unterstützen. Zu keinem Zeitpunkt haben die politischen Führer der Palästinenser ihrer Bevölkerung eine Botschaft des Friedens vermittelt. Vom Frieden haben sie nur in westliche Reportermikrofone gesprochen, um finanzielle Unterstützung aus dem Westen zu erhalten. Während in Krankenhäusern Israels Araber nach höchsten medizinischen Standards kostenlos behandelt werden, – wie die Frau des Hamas-Präsidenten Hanije aus dem Gazastreifen oder verwundete Syrer aus dem dortigen innerislamischen Kriegsgebiet – werden innerhalb der palästinensischen Gemeinschaft schon Kleinkinder zum Hass auf Juden und Israel erzogen und Jugendliche mit Messern, Äxten oder gar Sprengstoffgürteln zu todbringenden Anschlägen gegen Zivilisten und betende Rabbiner in Bibelschulen beauftragt.

Seit Jahren wird die Problematik des israelischen Siedlungsbaus in der Weltöffentlichkeit als Haupthindernis zum Frieden kolportiert. Dabei wird verschwiegen, dass die so genannten Siedler nur auf Land bauen dürfen, das sie auch rechtmäßig erworben haben, während die Europäische Union den Bau illegaler palästinensischer Häuser fördert. Da wird in der EU zum Boykott israelischer Waren aus dem alten biblischen Kernland Israels, Judäa und Samaria aufgerufen und dabei wissentlich in Kauf genommen, dass dadurch vorrangig die Arbeitsplätze palästinensischer Familienväter zerstört werden, die dort die einzige Möglichkeit hatten, den Lebensunterhalt für ihre Familien zu verdienen. Israel hat auch für die dortigen arabischen Städte und Dörfer die Infrastruktur wie Straßen, Wasser, Abwasser und Elektrizität geschaffen. Die Palästinensischen Führer haben hingegen mit den Milliarden an Fördergeldern aus EU und USA vieles finanziert, nur nicht in die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Palästinenser investiert, außer ihre eigene. Wir fordern daher die Europäische Union auf, die Verwendung dieser Gelder zu überprüfen und mit der ständigen Wiederholung der Lüge Schluss zu machen, die israelischen Siedlungen seien das Haupthindernis zu einem Frieden.

Nach dem Friedensvertrag mit Ägypten hat Israel den gesamten Sinai geräumt. Israel hat sich auch aus dem Süden des Libanon und aus dem Gazastreifen zurückgezogen. Doch immer, wenn sich der Staat Israel von Gebieten zurückgezogen und diese der Verwaltung der Palästinenser unterstellt hat, wurde dies nicht als Zeichen des israelischen Friedenswillens sondern als Schwäche missdeutet und führte zu neuer Gewalt gegen Juden.

Verteidigungsmaßnahmen Israels zum Schutz seiner Bürger werden völlig einseitig dargestellt,  diffamiert, Ursache und Wirkung vertauscht und von der Weltgemeinschaft verurteilt. Haben die Vereinten Nationen, die USA und die EU Angst vor islamischer Gewalt mit Hunderttausenden von Toten in innerislamischen Konflikten, dass sie sich nicht trauen, diese beim Namen zu nennen und stattdessen lieber Israel verunglimpfen, um die islamischen Länder milde zu stimmen?

Es ist nur allzu verständlich, dass sich Israel betreffs seiner Sicherheit nur auf sich selbst verlässt, weil die Weltgemeinschaft weggeschaut und geschwiegen hat, als 6 Millionen europäischer Juden von den Nazis zur Schlachtbank geführt wurden. Auch heute schweigt die Weltgemeinschaft zu den vom Iran, der Hamas und der Hisbollah gegen Israel und alle Juden weltweit erklärten Vernichtungsabsichten. Diese Aussagen werden verharmlost oder gar mit der Besatzungspolitik Israels gerechtfertigt. Selbst der in Europa wieder wachsende Antisemitismus, die sich auch in islamischer Gewalt gegen Juden auf unseren Straßen äußert, wird gelegentlich mit der Politik Israels legitimiert. In Deutschland wird die Sorge des Präsidenten des Zentralrates der Juden, Dr. Josef Schuster, dass viele der Flüchtlinge, die derzeit in unser Land kommen, aus Ländern stammen, wo die Menschen von Kindesbeinen an zum Hass gegen Juden und Israel erzogen werden, und dies zu wachsendem Antisemitismus auch hier in Deutschland und der EU führen kann, als Panikmache abgetan. Dabei wird verdrängt, dass wegen zunehmender islamischer Übergriffe gegen Juden allein im vergangenen Jahr Tausende Juden ihre französische Heimat Richtung Israel verlassen haben.

In zynischer Weise wird Israel von US-Präsident Obama, der UNO und der EU zu Friedens­verhandlungen aufgefordert, obwohl die Palästinenserführer nicht gewillt sind, Verantwortung für ihre Bevölkerung zu übernehmen und ein funktionierendes Gemeinwesen aufzubauen. Sie haben sich darin bequem eingerichtet, weiterhin eine global finanzierte Opferrolle spielen und dafür Israel die Schuld zuschieben. Sie wollen auch keinen Staat neben sondern allenfalls anstelle Israels. Mittels geschichts­verfälschender palästinensischer Kampagnen, die dem 1968 von Jasser Arafat gegründeten palästinen­sischen Volk rückwirkend eine Jahrtausende alte Geschichte andichten, die bis in die Zeit vor der jüdischen Besiedelung zurückgeht und Erkenntnisse der Archäologie aus ideologischen Gründen ausblendet, zum Teil aus EU-Mitteln unterstützt werden, wird der Existenz des jüdischen Staates die Legitimation abgesprochen. Selbst die Existenz der beiden jüdischen Tempel in Jerusalem wird geleugnet, ohne dass großer Widerspruch aus dem einst christlichen Abendland kommt. In Deutschland und Europa rekrutiert die so genannte BDS-Bewegung immer mehr Propagandisten, die zu Boykotten, Desinvestitionen und Sanktionen gegen Israel aufrufen, um damit die Palästinenser zu unterstützen.

Weil die Feindschaft gegen das jüdische Volk und gegen Israel in der Welt gewachsen ist, wollen wir uns als Sächsische Israelfreunde zusammen mit anderen Pro-Israel-Organisationen in Deutschland und Europa umso deutlicher an die Seite Israels stellen und nicht darin nachlassen, Politiker und Kirchenführer gerade in unserem Land an ihre Verantwortung zu erinnern, deutlich für die Existenz Israels einzustehen, allem Judenhass und aller Israelfeindschaft, aller Diffamierung und Delegitimierung des jüdischen Staates konsequent entgegenzutreten. Wir fordern die Journalisten in unserem Land auf, über Israel wahrheitsgemäß und ausgewogen zu berichten.

Wir erklären unsere Solidarität mit dem Staat Israel und dem jüdischen Volk weltweit und bezeugen, dass unsere jüdischen Freunde nicht allein sind. Wir vertrauen darauf, dass der Hüter Israels nicht schläft noch schlummert, sondern seinem Volk die Treue hält, auch wenn die Heiden toben (Psalm 2,1). Das Volk Israel lebt – Am Israel Chai!

Lothar Klein, Vorsitzender
Glauchau, 22.05.2016


Sächsische Israelfreunde, Erklärung, Solidarität, Lothar Klein
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Judith aus Kevelaer
15.06.2016 22:26 Uhr
Was für eine mutige und wahrhaftige Erklärung!
Mögen eure klaren Worte die vielen Verdrehungen unserer wirr herumkäsenden und (bed)- fortströmenden Endzeitkirche laut übertönen!
Viel Kraft und Durchhaltevermögen euch, ihr Lieben!
Amcha Israel yibane!
Münch, Sabine aus Pretzschendorf
13.06.2016 11:26 Uhr
Hallo Heiko, genau mit Deiner Einschätzung der Lage und der Kirchengeschichte betonst Du - aus meiner Sicht - wie dringlich hier die Einmischung zum Thema "Israel" in unserer Kirche ist!
Und so schwer es auch ist, Sauerteig (in der Kirche!) zu sein - die Schwere der Aufgabe entbindet uns nicht von ihr!
Heiko aus Stolpen
12.06.2016 16:46 Uhr
Hallo Sabine, das Problem ist nur leider, dass es in der EKD kaum jemand hören möchte, selbst wenn man sachlich, nüchtern und engagiert ist. Viel eher wird einem das Wort verboten und das Theman Israel so gut es geht unterdrückt. Die Ersatztheologie ist so stark in der EKD und auch anderen Kirchen verwurzelt, dass es manchmal fast hoffnungslos scheint. Es ist da schwer, durchzukommen, grade von innen, ich denke, dass Anit-Israel heute schon an den meisten theologischen Hochschulen gelehrt und in die Köpfe eingepflanzt wird, ganz entsprechend der Tradition und dem Zeitgeist... wie solls auch anders sein, die Geschichte des Antisemitismus und Judenhasses ist zu fast 100 % deckungsgleich mit der Kirchengeschichte... leider...
Münch, Sabine, Pfarrerin aus Pretzschendorf
10.06.2016 16:32 Uhr
Hut ab! Diese Erklärung bringt es auf den Punkt! Es wäre unbedingt hilfreich, notwendig und unserer Kirche in Deutschland (EKD) zuträglich, wenn sich die Leute, die diese Erklärung unterstützen, auch IN unserer Kirche, IN ihren Ortsgemeinden entsprechend sachlich, nüchtern und engagiert zu Wort melden!
Schalom aus Jerusalem!

Gerhard Tebbe aus Geldersheim
07.06.2016 11:57 Uhr
Nachdem weite Teile unserer Bevölkerungen und Regierungen mehr und mehr sich von unseren christlichen Wurzeln lösen, nimmt die Blindheit für die Gnade Gottes, aus der wir noch leben zu. Aber weil wir ohne die Gnade Gottes das Weltgeschehen nicht nachhaltig zu unserem Wohl gestalten können, macht sich letztlich Ratlosigkeit breit und es werden Entscheidungen getroffen, die unvernünftig sind und deren Auswirkungen nicht erkannt werden.
Es ist höchste Zeit, dass immer mehr Christen aufwachen, sich zu Wort melden, für ihr Volk und die Regierungen beten, vor Gott Busse tun und ihn anflehen, seine Gnade nicht von uns zu nehmen.

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