Die neue „Schrankwand“ im Bildungs- und Begegnungszentrum Reichenbach

08.11.2015 | von Matthias Hampel, Mylau
"Die Schrankwand" im Israelzentrum in Reichenbach

"Die Schrankwand" im Israelzentrum in Reichenbach

Mit dieser Schrankwand soll die Geschichte Israels dargestellt werden. Als Blickfang in der Mitte sehen wir eine Nachbildung der Menora, die vor der Knesset, dem Parlamentsgebäude des Staates Israel steht. Der Hintergrund besteht aus echtem Jerusalemstein. Mit diesem Kalkstein sind die Häuser in Jerusalem gebaut oder verkleidet. Der Künstler Benno Elkan hat auf diesem Leuchter in Jerusalem 29 Ereignisse aus der Geschichte Israels dargestellt. An der Schrankwand kann man mit den Berührungsschaltern die Erklärung zur jeweiligen Abbildung und die Jahreszahlen aufrufen. Links sehen wir eine Mattscheibe mit hebräischer Schrift. Es sind die ersten Worte der Bibel: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“

Am Anfang ist immer Gott. Er ist die Ursache der Schöpfung und des Glaubens. Nicht meine Entscheidung und meine Bekehrung ist die Ursache meines Glaubens, sondern es ist Gottes Plan und Gottes Gnade. Der sündige Mensch bezieht alles auf sich. Das Einzige was wir bei uns suchen müssen ist die Ursache der Sünde, sie kommt aus unserem Herzen. Gott ist auch der Herr der Geschichte. Auch wenn wir Menschen alle Entscheidungsfreiheit haben, regiert Gott. Er hat alles in seiner Hand, auch wenn wir vieles nicht verstehen, kommt Gott zu seinem Ziel. Wenn man die Mattscheibe öffnet, sieht man die erste Seite einer Thora und eine Nachbildung der Jesajarolle aus Qumran. Die erste und zweite Vitrine erinnert an Johannes 1,1 „Am Anfang war das Wort…“

Die Gestaltung der Schrankwand zeigt eine Ebene, in der das Volk Israel im Land ist und eine eigene Regierung hat. Die Teilung des Reiches wird durch das Zurücksetzen des Schrankes angezeigt. Die Wegführung des Volkes nach Babylon symbolisiert die untere Ebene der Zeitleiste. Auf die Zerstreuung in alle Welt weist ein Pfeil nach Bar Kochba hin. Die obere Zeitleiste zeigt die Zeit der Diaspora. Die Jahreszahlen der Einwanderungswellen (Alija) auf der rechten Mattscheibe stellen eine Verbindung zwischen der oberen und unteren Ebene her. Im letzten Stück der mittleren Ebene wird die Zeit nach der Staatsgründung Israels dargestellt.

Die Geschichte Israels beginnt mit Abraham. Durch die Berührung des entsprechenden Schalters an der Menora wird auch die Vitrine mit dem liegenden Widder und den Keilschrifttafeln beleuchtet. Es sind Funde aus Ur in Chaldäa. Abraham hat Ur verlassen und zog nach Haran. Später trennte er sich auch von seiner Sippe und zog weiter nach Kanaan. Sein erster Besitz im verheißenen Land war ein Feld mit einer Höhle in Hebron. Er kaufte es, um seine Frau Sarah zu beerdigen. Es wurde zum Grab der Erzväter Abraham, Isaak und Jakob und ihren Frauen. Wir sehen ein Modell dieser Grabstätte. Dieses Gebäude hat Herodes der Große über die Grabhöhle bauen lassen. Heute wird ein Teil als Synagoge und der andere Teil als Moschee genutzt. In einer anderen Vitrine sehen wir einen kugelförmigen Leuchter mit dem Jerusalemmotiv und einen Kalkstein mit zwölf Edelsteinen. Dies ist ein Hinweis auf die Sehnsucht nach dem irdischen und himmlischen Jerusalem. Das jüdische Volk hat in der Diaspora nie diese Sehnsucht verloren.

Mit den Berührungsschaltern an jeder Jahreszahl kann man die verschiedenen Ereignisse der Geschichte anwählen. Die Gegenstände, die zum Thema gehören werden angestrahlt und die Erklärung wird am Bildschirm sichtbar. Diese Bildschirmpräsentationen werden in Zukunft erweitert und vervollständigt. Die Schubkästen sind für eine Briefmarkensammlung und eine Münzsammlung mit den Motiven der behandelten Themen vorgesehen. Eine Beschreibung der anderen Seite der Schrankwand mit dem jüdischen Festkreis fi nden Sie in der nächsten Ausgabe.

Die Rückseite der Schrankwand ist mit einem großen Kelch gestaltet. Der Kelch, der am Schabbat und an vielen Festen des Jahres eine große Rolle spielt. Er ist nach oben hin geöffnet, er empfängt und gibt weiter. Die äußere Form bildet eine Kurve, die an das Kommen des Messias erinnert. Er kommt vom Reich Gottes, er erniedrigt sich bis zum Tod am Kreuz. Dann ist er auferstanden und geht wieder nach oben zum Vater. Auch die sieben Feste des Herrn reden prophetisch vom ersten und zweiten Kommen des Herrn.

Am Passahfest erinnert man sich an den Auszug aus Ägypten, das Fest der Befreiung aus der Knechtschaft. Mit den Symbolspeisen wird jede Einzelheit bedacht. Die letzte Mahlzeit Jesu war dieses Sedermahl mit seinen Jüngern. Vor der Zerstörung des Tempels wurde am Abend des 14. Nisan das Passahmahl für die Familien zubereitet. Am Morgen darauf brachte man das besondere Passahlamm im Tempel dar. Es war genau der Zeitpunkt, als Jesus an das Kreuz genagelt wurde. Zur Zeit des Abendbrandopfers starb Jesus und der Vorhang zum Allerheiligsten zerriss.

Am ersten Tag des Festes der ungesäuerten Brote lag Jesus im Grab. Sauerteig ist immer ein Symbol für die Sünde und den Hochmut, weil er alles durchdringt und aufbläht ohne an Substanz zu gewinnen. Jesus war ohne Sünde, deshalb hatte der Tod keine Macht an ihm. Er sah keine Verwesung (Apostelgeschichte 2,27 und 31). Das Fest der ungesäuerten Brote dauerte sieben Tage. Immer am ersten Tag nach dem Schabbat des Festes wird im Tempel die Erstlingsgabe der Gerstenernte dargebracht. Es war der Beginn der Erntezeit. Die Auferstehung Jesu fiel genau auf diesen Tag. Er war der Erste, der vom Tod auferstand.

Nach diesem Fest werden 50 Tage gezählt bis zur Weizenernte. An Schawuot lehnt unser Pfingstfest an. Die Erstlinge der Weizenernte und die sieben Früchte des Landes werden in einem Korb zum Tempel gebracht. An diesem Fest durften alle Juden, Männer wie Frauen, in den Vorhof der Priester gehen, bis an das Tempelhaus. Sie konnten damit Gott besonders nahe sein. Bemerkenswert ist, dass auch zwei Brote mit Sauerteig dargebracht wurden. Man kann daraus ableiten, dass sündige Juden und sündige Heiden zu Gott kommen dürfen. An diesem Tage predigte Petrus und es ließen sich 3000 Menschen taufen und am folgenden Tag kamen noch einmal 2000 Menschen dazu. Die Zeit der Gemeinde Jesu beginnt. Die Frühlingsfeste sind abgeschlossen. Bis zu den Herbstfesten ist eine Pause von vier Monaten.

Das bürgerliche, jüdische Jahr beginnt mit dem Tag des Schofarblasens, Rosch Haschanah. Übersetzt ist es das „Haupt des Jahres“, oder auch der Anfang des Jahres. Mit Äpfeln und Honig wünscht man sich ein süßes Jahr. Ganz wichtig ist das Hören des Schofars. Ein Symbol für das Hören auf die Stimme Gottes. Viele Ausleger sehen in Rosch Haschana das nächste Ereignis der Heilsgeschichte, die Entrückung der Gemeinde. Im 1.Thessalonicher 4,16 und 17 heißt es: „Denn er selbst, der Herr, wird mit einem Befehlsruf, mit der Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen. Danach werden wir, die wir leben und übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in den Wolken, dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit.“

Im jüdischen Festkreis folgen zehn Tage der persönlichen Reue und Buße. Es ist eine Vorbereitungszeit für den höchsten Feiertag des Jahres, Yom Kippur, der große Versöhnungstag. Er gilt als „gewaltiger Tag“ oder als „Tag der Ehrfurcht“. Es ist der einzige Tag, an dem der Hohepriester in das Allerheiligste ging, um das Volk mit Gott zu versöhnen. Ein Ziegenbock wurde geopfert und ein anderer als „Sündenbock“ in die Wüste gejagt. An diesem Tag wurde im Tempel das mit Gold beschlagene Schofar geblasen.

Prophetisch gesehen werden die Tage der Reue und Buße mit der großen Trübsal verglichen. Der Versöhnungstag deutet auf die Wiederkunft Jesu mit der Gemeinde. In Sacharja 12,10 lesen wir, wie Gott über „das Haus Davids und über Jerusalem den Geist des Gebets ausgießen wird und wie sie um den klagen, den sie durchstochen haben“. Sie werden Jesus erkennen und er wird den Rest Israels mit Gott versöhnen. Danach beginnt das tausendjährige Friedensreich, in dem Jesus mit seiner Gemeinde aus Juden und Heiden herrschen wird. Die „Seelenernte“ ist eingebracht, so kann man diese Ereignisse mit dem letzten und fröhlichsten Fest vergleichen, dem Laubhüttenfest.

Dieses Fest ist ein Erntedankfest, deshalb wird auch die Laubhütte mit vielen Früchten geschmückt. Das Wohnen in der Laubhütte erinnert an die Zeit des Auszugs aus Ägypten. Das Volk Israel soll sich nicht auf seine festen Häuser und Mauern verlassen, sondern auf den lebendigen Gott. Dieses Fest gehört zu den drei Wallfahrtsfesten und dauert sieben Tage. Beim Gebet um Regen wird ein Feststrauß mit Bachweide, Dattelpalme, Myrte und einer Zitrusfrucht in der Hand gehalten.

Neben dem Kelch sehen wir ein Modell von einer Synagoge, die uns Herr Samter gebastelt hat. Er lebte als Jude in Reichenbach, musste aber vor den Nazis fliehen. Als in unserer Stadt Stolpersteine zum Gedächtnis an ermordete Reichenbacher Juden eingelassen wurden, besuchte er seine alte Heimat und freute sich über unsere Ausstellung. Heute lebt er in einem Altersheim in Haifa. In der letzten Vitrine sehen wir Instrumente, mit denen Gott im Tempel und auch bei den jüdischen Festen gelobt wurde.

Hier ein noch ein gutes Video zur Veranschaulichung:

Flash ist Pflicht!

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Hannelore Lehmann aus Gut Hohenborn 5 b, 34289 Zierenberg
03.04.2017 08:20 Uhr
Wir vom Jesus-Centrum-Kassel finden die Ausstellung so spitze, dass wir gerne mit einer Gruppe am 9. August 2017 zu euch kommen wollen. Ist das moeglich, dann eine Führung zu haben. DANKE fuer euren Dienst!
SCHALOM. Hannelore Lehmann i.A. des Senioren-kreises

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