Der Handwerkerdienst der Sächsischen Israelfreunde startet in ein neues Jahr

15.03.2015 | von Andreas Messig-Wetzel, Lugau
Haus in Hadera

Haus in Hadera

Jochen Peter und Michael Sawitzki (von rechts) unterzeichnen den Mietvertrag für Beth Avraham. (Foto: Ruth Peter)

Jochen Peter und Michael Sawitzki (von rechts) unterzeichnen den Mietvertrag für Beth Avraham. (Foto: Ruth Peter)

Im Hineni-Center in Jerusalem helfen die Handwerker eine Suppenküche zu erweitern. (Foto: Uwe Görner)

Im Hineni-Center in Jerusalem helfen die Handwerker eine Suppenküche zu erweitern. (Foto: Uwe Görner)

Das Jahr startete für den Handwerkerdienst am 17. Januar mit einem Vorbereitungstreffen in der Villa Markersdorf. Über 60 Teilnehmer, die 2015 mit dem Handwerkerdienst nach Israel gehen, trafen sich an diesem Abend. Michael Sawitzki stimmte die Teilnehmer auf ihren Aufenthalt und die geplanten Projekte ein. Er selbst reiste bereits in der ersten Woche des Jahres mit einem kleinen Team durch Israel, um Projekte für 2015 zu planen.

Jochen und Ruth Peter, unsere Projektleiter vor Ort, waren auch dabei. Gemeinsam besuchten sie bekannte Partner, wie Benjamin Philip vom Hineni-Center in Jerusalem, Daniel Yahav in Tiberias oder Henoch Ackermann in Hadera. Hier bahnten sich verschiedene Hilfsmöglichkeiten für unsere Handwerkergruppen an, von denen noch später berichtet wird. Es kam aber auch zu Treffen mit neuen Kontaktpersonen wie dem stellvertretenden Bürgermeister von Sderot.

Zum Vorbereitungstreffen in der Villa Markersdorf lernten sich die einzelnen Gruppen kennen. Manche werden an dem Handwerkerdienst zum ersten Mal teilnehmen, andere sind schon alte Bekannte und fahren seit einigen Jahren regelmäßig nach Israel. So ergab sich eine gute Mischung der Gruppen, die 2015 von Januar bis Juni und von September bis November in Israel sind. Die erste Gruppe des Jahres startete bereits am 18. Januar und war schon mitten in den Reisevorbereitungen.

Es gibt in jedem Monat rund acht Teilnehmer, die als eine Gruppe in und von Jerusalem aus arbeiten. Etwa vier weitere Personen werden zusätzlich noch eine Gruppe in Hadera bilden.

Wer schon einmal mit den Handwerkern unterwegs war, weiß, dass unser Dienst gesegnet ist. Allerdings waren die Handwerkereinsätze vor allem in Hinsicht auf die Unterbringung bisher oft auch eine wahre Herausforderung. Im letzten Jahr bewohnten die Jerusalem-Gruppen gemeinsam mit Jochen und Ruth Peter unsere kleine Dienstwohnung in Kiryat Ha Yovel. Mit acht oder neun Personen wurde es dort ziemlich eng. Aber der Herr hat oft überraschende Pläne, die wir Menschen manchmal nicht zu träumen wagen. In diesem Jahr segnet er unseren Dienst mit einem schönen Haus in Talpiot in Jerusalem! Zusammen mit der Januar- Gruppe zogen Jochen und Ruth in dieses historische Haus ein. Aber wie kommt man überhaupt an ein erschwingliches Haus für 15 Personen in Jerusalem?

Die Geschichte geht so: Mitten in Jerusalem nahe der Hebronstraße schufen einige Frauen des Darmstädter Ordens der Marienschwestern ein schönes Heim, in dem sich Holocaust-Überlebende für einige Wochen im Jahr erholen konnten. Sie hatten viele kleine Zimmer und einen schönen Garten anzubieten. Sie nannten das Haus „Beth Avraham“ (Haus Abrahams). Die Frauen pflegten ihr Haus, aber irgendwann benötigten sie Hilfe – handwerkliche Hilfe. Eine Gruppe Handwerker der Sächsischen Israelfreunde gab im März 2012 einigen Räumen einen frischen Anstrich und verschönerte das Gartengelände. Die Marienschwestern, die das Gästehaus betreuten, werden in einigen Monaten ihren Dienst in Jerusalem in anderer Art und Weise fortsetzen. Deshalb wurde das Haus verkauft, aber der neue Eigentümer wird es erst Ende 2015 übernehmen. So konnten die Sächsischen Israelfreunde zu sehr günstigen Konditionen die schöne Unterkunft für die Handwerkergruppen 2015 anmieten. Das ist ein großer Segen für die Handwerker und auch für Jochen und Ruth, die jetzt mehr Platz und mehr Rückzugsmöglichkeiten während ihres Dienstes haben.

Im letzten Jahr begannen wir, eine Gruppe in der Stadt Hadera am Mittelmeer auf halben Weg zwischen Tel Aviv und Haifa aufzubauen. Dort lebt Henoch Ackermann mit seiner Familie, der unsere Hilfe an Bedürftige in der Region anbietet und uns bei der Umsetzung der Handwerkerarbeiten unterstützt. Eine der neuen Gruppen brauchte Fliesen und ging zu einem Händler in Hadera, um diese zu besorgen. In Jerusalem wundert sich mittlerweile niemand mehr, wenn die deutschen Handwerker im Baumarkt einkaufen. In Hadera scheinen wir noch nicht sehr bekannt zu sein. Darum fragte der Fliesenhändler natürlich gleich nach, was wir Deutschen in Israel mit den Fliesen vorhaben. Die Gruppe berichtete ihm, dass sie mit den Fliesen eine Wohnung von Juden in Hadera renovieren werden. Die Reaktion des Fliesenhändlers war, wie so oft bei anderen auch, eine ungläubige Freude. „Wieso macht ihr das?“ „Das ist wunderbar!“

Sein Schwur war es, nie wieder etwas mit Deutschen zu tun zu haben. Als die Handwerker ihre Geschichte erzählten, konnte er seinen Schwur nicht länger halten. Er lud sie zu sich nach Hause ein, obwohl er es selbst nicht glauben konnte …

Seine Familie hat im Holocaust sehr unter den Nationalsozialisten gelitten. Er ist die so genannte zweite Generation, die nicht selbst den Holocaust erleben musste, ihn aber durch ihre Eltern dennoch erlebten. Sein Schwur war es, nie wieder etwas mit Deutschen zu tun zu haben. Als die Handwerker ihre Geschichte erzählten, konnte er seinen Schwur nicht länger halten. Er lud sie zu sich nach Hause ein, obwohl er es selbst nicht glauben konnte: „Ich weiß nicht was ich hier tue. Ich verstehe mich selbst nicht“, sagte er immer wieder. Und auch im Januar traf er Michael und Jochen und erzählte ihnen tief bewegt seine Geschichte.

In Hadera wird die nächste Gruppe in einem Heim für physisch und seelisch kranke Menschen arbeiten. Dort werden auch HolocaustÜberlebende behandelt. Um ihnen eine schöne Umgebung zu schaffen, bauen die Handwerker im Garten des Hauses eine Pergola. Aus Sderot, das immer wieder von Angriffen aus dem Gazastreifen heimgesucht wird, haben die Sächsischen Israelfreunde ebenfalls wieder einen Hilferuf erhalten. In der Stadt leben viele bedürftige Menschen, die durch die ständige Bedrohung immer mehr demoralisiert werden. Hier wollen wir helfen und den Menschen zeigen, dass sie nicht allein sind. Der stellvertretende Bürgermeister von Sderot hat Michael und Jochen einige Objekte in der Stadt gezeigt, die dringend eine Erneuerung oder Verschönerung brauchen. Die erste Gruppe, die hier arbeiten wird, haben wir zusätzlich zu den anderen Handwerkergruppen zusammengestellt. Da man in Sderot immer wieder mit Angriffen rechnen muss, konnten wir die Handwerker nicht ohne weiteres dorthin schicken. Aber es haben sich auch für diese Gruppe Handwerker gefunden, die sich freiwillig und bewusst in die Situation begeben. Rolf Schüppel wird die Gruppe leiten und eine Einrichtung für äthiopische Juden renovieren.

Die Januar-Gruppe wurde von Uwe Görner geleitet. Nach einem Hilferuf von Benjamin Philip, der seit 2000 das Hineni-Center leitet, entschieden wir uns, ihm beim Ausbau einer größeren Küche zu helfen. Hineni betreibt unter anderem eine Suppenküche in Jerusalem für arme Menschen. Bisher konnten sie etwa 200 Essen am Tag austeilen. Benjamin Philip berichtet, dass in Israel 1,6 Millionen Menschen unter der Armutsgrenze leben. Für ein Viertel dieser Menschen muss oft die Entscheidung fallen, ob sie ihr weniges Geld für Essen oder andere wichtige Dinge wie Medikamente, Heizung, Strom ausgeben sollen. Jerusalem ist eine der ärmsten Städte in Israel, wo die Mehrheit der armen Bevölkerung Suppenküchen für ihre täglichen Mahlzeiten dringend braucht. Hineni bietet neben einer Mahlzeit in seiner Suppenküche aber auch soziale Kontakte, Beratung, sanitäre Einrichtungen, Bildung, Selbsthilfegruppen und vieles mehr an. Deshalb ist es für Benjamin wichtig noch mehr Menschen zu erreichen. Mit Hilfe der Sächsischen Israelfreunde konnte die Küche nun vergrößert werden. Hineni wird es dadurch möglich jetzt 400 Mahlzeiten am Tag zuzubereiten.

2015 stehen also wieder viele Projekte und Baustellen an, wo die Sächsischen Israelfreunde mit ihrem Handwerkdienst tatkräftig helfen können. Die praktische aber auch die seelische Hilfe durch unsere Handwerker bahnt den Weg zur Versöhnung. Die Hilfe aus Deutschland durch Gebet und Geld unterstützt die Arbeit der Handwerker. Für die Anmietung unseres wundervollen neuen Quartiers Beth Avraham und vor allem für die Arbeit von Jochen und Ruth Peter brauchen wir dringend Ihre finanzielle Hilfe. Wir sind dankbar über jede einmalige oder regelmäßige Spende, die Sie auf folgende Bankverbindung einzahlen:

Sächsische Israelfreunde e.V.
„Hände zum Leben“
Konto: 90061941 BLZ: 87096124
IBAN: DE16870961240090061941
BIC: GENODEF1MIW
Kreditinstitut: Volksbank Mittweida eG
Spendenzweck: Spenderkreis Besuchs- und Handwerkerdienst


Hände zu Leben, Handwerkerdienst, Israel, 2015
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Nowak, Daniela aus Chemnitz
19.04.2015 12:08 Uhr
Hallo,
ich saß heute mit im Gottesdienst und erfuhr dort über euern Dienst. Ich bin keine Handwerker (hab aber auch nicht 2 li. Hände:) sondern Krankenschwester. Das es ja wirklich schon ältere Menschen sind, denen ihr helft, hier nun meine Frage : Wird denn auch medizinische Hilfe gebraucht, bzw. kann man parallel in dieser Hinsicht helfen?
Liebe Grüße
Daniela

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