Das Waschbecken in der Stiftshütte

14.05.2015 | von Matthias Hampel, Mylau
Das eherne Meer im Salomonischen Tempel

Das eherne Meer im Salomonischen Tempel

Das Waschbecken in der Stiftshütte

Das Waschbecken in der Stiftshütte

Über Form und Aussehen des kupfernen Beckens, das zwischen dem Brandopferaltar und dem Heiligtum stand, sagt die Bibel nichts weiter, als dass es auf einem kupfernen Gestell stand. Sie sagt aber etwas über die Herkunft des Kupfers, aus dem es gemacht war. Es stammte von den Spiegeln der Frauen, die an der Fertigstellung der Stiftshütte mitarbeiteten. Dieses Kupfer diente jetzt in einer anderen Weise als Spiegel. Das kupferne Becken lehrt zwei wichtige Wahrheiten:

1. Die Notwendigkeit der Reinigung. Wenn der Priester sich dem Becken näherte, sah er im Spiegel des Wassers sein Angesicht und erkannte, dass er vor Gott unrein ist.

2. Die Möglichkeit und das Mittel der Reinigung. Im Wasser des Beckens mussten sich die Priester Hände und Füße waschen, ehe sie zum Dienst ins Heilige gingen. Warum nur Hände und Füße? Und worauf weist diese Reinigung schattenbildhaft hin?

Das erkennen wir an einer Handlung Jesu und Seiner Erklärung dazu (Johannes 13, 1-10). Als er vor dem Abendmahl den Jüngern die Füße wusch, wehrte sich Petrus zuerst gegen diesen Dienst seines Herrn. Auf Jesu Antwort aber, - ohne Fußwaschung könne Petrus keinen Anteil an Ihm haben, hätte der Jünger sich am liebsten ganz und gar waschen lassen. Darauf sagte Jesus: „Wer gewaschen ist, der bedarf nichts als noch die Füße waschen; denn er ist ganz rein“. Was meinte Jesus?

Er spielte damit auf die Sitte jener Zeit an. Wer zum Mahl geladen war, ging zuvor in ein öffentliches Bad und reinigte sich. Auf dem Weg zum Gastgeber wurden allerdings seine Füße wieder staubig, darum wurden sie ihm von einem Diener des Hauses gewaschen.

Die Wahrheit „Wer gewaschen ist, der bedarf nichts als noch die Füße waschen; denn er ist ganz rein“ wird im Alten Testament durch die Anordnung dargestellt, dass die Priester sich im kupfernen Becken Hände und Füße waschen mussten, ehe sie zum Dienst ins Heilige gingen. Es waren ihnen zwar am kupfernen Altar die Sünden vergeben worden, aber sie bedurften der fortgesetzten Reinigung.

Das kupferne Becken ist ein Schattenbild der Reinigung durch das Wort Gottes. Jesus sagte zu Seinen Jüngern: „Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe“ (Johannes 15, 3). Und Paulus erklärte: „Gleichwie auch Christus geliebt hat die Gemeinde und hat sich selbst für sie gegeben, auf dass er sie heiligte, und hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort“ (Epheser 5, 25–26). Die Reinigungskraft des Wortes beruht jedoch auf dem Blut, an dessen Reinigungskraft wir durch das Wort glauben. Denn „das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde“ (1. Johannes 1,7). Wenn wir das Opfer Jesu für uns persönlich angenommen haben, dann sind wir grundsätzlich gereinigt. In der Stiftshütte wird diese Tatsache durch den Brandopferaltar gelehrt. Das Waschbecken zeigt uns, dass wir trotzdem täglich in den Spiegel des Wortes Gottes schauen müssen, damit wir den Alltagsschmutz erkennen. Durch diese Erkenntnis werden wir ins Gebet und zum Bekenntnis der Schuld geführt. Die tägliche Reinigung am Maßstab des Wortes Gottes ist der Weg zur Heiligung.

Das eherne Meer im Salomonischen Tempel

Im Gegensatz zum Waschbecken der Stiftshütte werden Maße und Gestaltung des ehernen Meeres im Vorhof des 1.Tempels beschrieben. Es war ein großer kupferner Wasserbehälter. Sein Durchmesser betrug 10 Ellen (etwa 5,25 m) und seine Höhe fünf Ellen. Die Dicke des Randes war eine Handbreit (etwa 7,5 cm). Das Fassungsvermögen war mindestens 38 000 l Wasser. Das eherne Meer stand auf vier Gruppen von je drei Rindern, nach jeder Himmelsrichtung eine. Das Becken war verziert mit Lilienblüten und mit zwei Reihen Knoten. Die Bibel macht keine Andeutung über die symbolische Bedeutung von Meer und Rinder. Nur die Zahl 12 erinnert an die Stämme Israels.

Es gibt viele mystische Auslegungen, die aber mit dem Gesamtzeugnis der Schrift nicht übereinstimmen. Auch der Auslegung des Mönches Beda Venerabilis (672-735 n. Chr.), der dieses eherne Meer als Symbol für die Taufe sieht, kann ich nicht nachvollziehen, weil die Taufe ein einmaliger Akt ist und das Waschbecken für eine dauernde Reinigung steht.

Das Waschbecken im Herodianischen Tempel

Das eherne Meer wurde bei der Zerstörung des ersten Tempels zerschlagen und das Kupfer nach Babylon gebracht. Beim Aufbau des zweiten Tempels fertigte man ein neues Waschbecken an. Ben Qattin, ein Hohepriester aus vorchristlicher Zeit, brachte an ihm 12 Hähne an, sodass sich ein Dutzend Priester gleichzeitig reinigen konnten. Ferner konstruierte Ben Qattin eine Vorrichtung, mit dem das gesamte Waschbecken für die Nacht in einen Brunnen im Tempelberg abgesenkt werden konnte, um so einer rituellen Verunreinigung des sich darin befindlichen Wassers entgegenzutreten. (1)

Wie in der Stiftshütte war das Waschbecken nur für die Priester bestimmt. Aber auch das Volk musste sich immer wieder reinigen. Erst nach dem Untertauchen in einem Ritualbad, durfte man auf den Tempelplatz betreten. Zusätzlich gab es noch Fußwasch-Bidets aus Stein für die Besucher.

Das „gläserne Meer“ in der Offenbarung

Johannes sah in einer Vision das Waschbecken im Himmel vor dem Thron Gottes. (Offenbarung 4,6) Es ist gläsern, also vollkommen durchsichtig. Nichts kann mehr versteckt werden. Es ist mit Feuer vermischt. Feuer ist ein Symbol des Gerichtes. Diese Menschen sind durch eine große Trübsalszeit gegangen und haben den Götzendienst des Antichrist überwunden, indem sie täglich Selbstgericht geübt haben. Wer Unrecht in seinem Leben nicht anwachsen und sich entwickeln lässt, sondern das Böse, das aus dem Herzen kommt sogleich richtet, darf erleben, dass er dadurch bewahrt bleibt vor dem Fall in schwere Sünde. Die Überwinder über das „Tier“ stehen ausgerechnet am Waschbecken.

„Und ich sah wie ein gläsernes Meer, mit Feuer gemischt, und sah die Überwinder über das Tier und über sein Bild und über die Zahl seines Namens an dem gläsernen Meer stehen, und sie hatten Harfen Gottes. Und sie singen …“ (Offenbarung 15,2). Sie waschen sich nicht mehr in Becken. Sie haben es nicht mehr nötig, dass die Füße gewaschen werden, sie sind nicht mehr in einer beschmutzenden Welt, sondern sie stehen an einem Meer von Glas, was symbolisch für einen Zustand wirklicher und absoluter Heiligkeit in einer Umgebung ist, wo nichts, was beschmutzt, jemals Eingang finden wird – sie stehen und singen das Lied des Moses und das Lied des Lammes. Alles, was die Gemeinschaft und Freude hemmt, haben sie für immer hinter sich gelassen. Im Tempel sang man am Sabbat beim zusätzlichen Morgen-Brandopfer aus dem Lied des Moses (5.Mose 32) und beim Abend- Brandopfer das Lied von der Erlösung aus Ägypten auf der Grundlage des Passahlammes. (2.Mose 12 und 15). Der Seher Johannes sieht hier einen Sabbat-Gottesdienst im Himmel. (2)

In unserer Zeit wird durch verschiedene Medien und technischen Möglichkeiten viel Schmutz verbreitet. So lasst uns täglich das Wasserbad des Wortes Gottes gebrauchen, damit wir gereinigt den Gottesdienst im Himmel mitfeiern können!

(1) Roger Liebi-Der Messias im Tempel, S.544
(2) Roger Liebi-Der Messias im Tempel, S.537


Tempel, Stiftshütte, Volk Israel, Waschbecken
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