Editorial

Liebe Freunde,
als 1527 die Pest in Wittenberg ausbrach, sagte Martin Luther dazu: „Wenn Gott tödliche Seuchen schickt, will ich Gott bitten, gnädig zu sein und der Seuche zu wehren. Danach will ich das Haus räuchern und lüften, Arznei geben und nehmen, Orte meiden, wo man mich nicht braucht, damit ich andere nicht vergifte und anstecke und ihnen durch meine Nachlässigkeit eine Ursache zum Tode werde. Wenn mein Nächster mich aber braucht, so will ich weder Ort noch Person meiden, sondern frei zu ihm gehen und helfen. Siehe das ist ein gottesfürchtiger Glaube, der nicht tollkühn und dummdreist ist und Gott nicht versucht. ...“ (Luthers Werke, Band 5, Seite 334ff)

Ich habe den Eindruck, dass der Umgang mit Seuchen zu Luthers Zeiten eine ganz andere Qualität hatte als der Umgang mit der Pandemie in unserer heutigen Zeit, und das, obwohl wir heute ganz andere medizinische Möglichkeiten haben. Das Gebet um Gnade, die Bitte um Vergebung der Sünden, all dies nahm bei früheren Pandemien einen hohen Stellenwert ein. Man wusste plötzlich – ich habe gesündigt, vieles ist schief gelaufen! Dass diese Pandemie jetzt passiert, hat auch etwas mit unserer Lebensweise zu tun. Es geht drunter und drüber in unserer Welt und man hat so manches Mal den Eindruck, der Teufel sei los. Darum ist jetzt eine Zeit, inne zu halten. In der Ruhe liegt die Kraft und beide wachsen aus der Stille vor Gott. Er erkannte sich selbst als Sünder, der vor Gott nicht bestehen kann. Darum hat ihn die Frage umgetrieben: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ Dies war eine von Luthers persönlichen Hauptthemen.

Heute wird selbstherrlich behauptet: „Wir schaffen das! Wir haben das im Griff!“ Doch haben wir das wirklich? Ist die Kaiserin bekleidet oder vielleicht doch nackt? Erinnern wir uns an die dunkle Zeit in unserem Land, als der Staat behauptete: „Ohne Gott und Sonnenschein fahren wir die Ernte ein!“ Ein mutiger Pfarrer aus Rippicha bei Zeitz protestierte dagegen und stellte ein Plakat auf, auf dem stand: „Ohne Regen, ohne Gott, geht die ganze Welt bankrott!“ Außerdem wollte das Regime den Glauben an den lebendigen Gott aus den Köpfen der Menschen hämmern, besonders der jungen. Als Protest dagegen hat sich dieser Pfarrer Oskar Brüsewitz am 18. August 1976 vor der Michaeliskirche in Zeitz mit Plakaten aufgestellt, auf denen u.a. stand: „Funkspruch an alle – Funkspruch an alle – Wir klagen den Kommunismus an wegen Unterdrückung der Kirchen in Schulen an Kindern und Jugendlichen!“ Dann hat er sich mit Benzin übergossen und angezündet. Trotz bleibender Fragen über dieses Handeln war dieses Fanal für viele junge Christen in der DDR eine Ermutigung, sich klarer öffentlich zu Jesus Christus zu bekennen. Dies verdeutlichte damals vielen, dass es bei der Entscheidung für oder gegen Gott um Leben und Tod geht, und zwar für Zeit und Ewigkeit!
Doch auch bei denen, die heute meinen, ihr Leben selbst meistern zu können, bleibt oftmals ein Gefühl der Angst als unterschwelliges Lebensgefühl zurück. Amerikanische Publizisten haben in den 80er Jahren eine merkwürdige Zukunftsangst bei den Deutschen diagnostiziert, die sie die treffend „German Angst“ genannt haben. Diesen Mangel an Geborgenheit, Angenommensein und Gottvertrauen nannten unsere Altvordern Heidenangst. Sie verdeutlicht, wie eng der Zusammenhang zwischen Zukunftsangst und gottlosem Leben ist. Sie hat sich in die Herzen vieler Leute – egal ob jung oder alt – in unserem Land eingeschlichen. Auch unter Christen geht sie um, besonders hier in Deutschland. Mich fröstelt es regelrecht, wenn ich im Fernsehen solche Zusammenkünfte in riesigen Kirchen mit mindestens zwei Meter Abstand und Masken sehe, als ob da einer gerade den Hühnerstall desinfiziert oder eine Bank überfallen hat. Angst sieht man in den Augen der Menschen, Angst vor dem Virus, Angst vor den Denunzianten, die Geburtstagsfeiern, Gottesdienste, Beerdigungen und Hochzeiten anzeigen könnten. Angst in den Seniorenheimen, wo Menschen wegen teils nicht schlüssiger Vorschriften ohne seelsorgerlichen Beistand und ohne ihre Angehörigen allein sterben, weil seit Jahrhunderten geltende ethische Mindeststandards durch Gremien außer Kraft gesetzt werden, die weder durch das Grundgesetz noch durch Beschlüsse demokratisch gewählter Volksvertreter legitimiert sind. Die Bibel sagt deutlich, dass Gott das Recht lieb hat und Ungerechtigkeit hasst. Sein Wort mahnt uns: „Weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe in vielen erkalten.“ (Matthäus 24,12; rev. Elberfelder) Genau das findet heute statt und macht Menschen aggressiv.

Schon im alten Israel gab es schlimme Vergehen gegen Gott, indem man ihn und seine Weisungen nicht ernstnahm. Dabei führte dies nicht zwangsläufig zu möglichen Strafen Gottes, wie Seuchen und Naturkatastrophen, wie sie die Ägypter erleiden mussten, weil ihr verstockter Pharao die Juden nicht aus der Sklaverei entlassen wollte. Ich möchte auch nicht jedes Mal all die Schuld aufzählen, die heute in Deutschland begangen wird. In Gottes Augen wird diese auch nicht dadurch geringer, dass sie in demokratisch beschlossene Gesetze gegossen wurde. Und auch wenn de jure die Tötung ungeborener Mitbürger im Mutterleib weiter ein Straftatbestand geblieben ist, – was die meisten gar nicht wissen – läuft doch die Straffreistellung in bestimmten Ausnahmen de facto darauf hinaus, dass ungeniert und staatlich finanziert weiter abgetrieben wird. Auch die „Ehe für alle“ und der Genderismus laufen darauf hinaus, was einst der Führer der kommunistischen Revolution in Russland, Wladimir Iljitsch Lenin, seinen Genossen eingeschärft hat: „Wer die Gesellschaft verändern will, muss die Familie zerstören!“ Die Saat der Entsendung Lenins durch das deutsche Kaiserreich am 9. April 1917 nach Russland, „um durch die Anschürung von Konflikten zwischen den politischen Lagern ein größtmögliches Chaos zu schaffen“, ist inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt und mehrfach aufgegangen. Seit der 68er Studentenrevolte in Westdeutschland hat die von Lenin propagierte Zerstörung der Familie durch Verstaatlichung der Elternliebe zu massiven gesellschaftlichen und demografischen Fehlentwicklungen wie zu Depressionen, Selbstwertproblemen, Bindungslosigkeit oder auch dem Fachkräftemangel geführt. Ein anderes Problem des reichsten Landes Europas ist die Habgier, die die Bibel die Wurzel allen Übels nennt. Da wurde aus Geldgier die Produktion wichtiger Wirkstoffe – z.B. der Pharmaindustrie – nach China verlagert, und nun gibt es in einer Pandemie plötzlich Probleme mit der Grundversorgung unserer Bevölkerung mit wichtigen Medikamenten. Wir könnten hier noch vieles aufzählen, wie sich die biblischen Prinzipien von Segen und Fluch sowie von Saat und Ernte in unseren Tagen immer wieder bestätigen, denn, was der Mensch sät, das wird er auch ernten.

Und doch bietet Gott uns, seinen geliebten Geschöpfen, einen Ausweg aus unserem Dilemma an. In 2. Chronik 7,13+14 lesen wir: „Siehe, wenn ich den Himmel verschließe, dass es nicht regnet, oder die Heuschrecken das Land fressen oder eine Pest unter mein Volk kommen lasse und dann mein Volk, über das mein Name genannt ist, sich demütigt, dass sie beten und mein Angesicht suchen und sich von ihren bösen Wegen bekehren, so will ich vom Himmel her hören und ihre Sünde vergeben und ihr Land heilen.“ Mögen wir das Geheimnis der Gnade erkennen, das da heißt: „Es ist niemals zu spät, bis der Herr wiedergekommen ist!“ Vielleicht mahnt uns der Herr, diese Zeit der Pandemie als Gnadenzeit zu begreifen und umzukehren? Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die einst auf dem Fundament der SOLA GRATIA (allein aus Gnade) gegründet wurde, schließt jedoch aus, dass die Pandemie eine Strafe Gottes oder wenigstens ein Wachrütteln sein könnte. Denn offensichtlich hat sich die EKD – wie lt. Kirchenpräsidentin Bosse die Bremische Kirche im Fall Olaf Latzel – mit dem Moralapostel auch die Moral und christliche Ethik abgelegt. Dabei mahnt uns die Bibel, dass das Gericht am Hause Gottes anfängt. Wenn Kirchen sich heute dadurch überflüssig machen, indem sie staatliche Hygienevorschriften über Gottes Ordnungen stellen und im vorauseilenden Gehorsam auf Gottesdienste und Sakramente verzichten, statt die grundgesetzlich garantierte Glaubensfreiheit und andere Grundrechte verantwortlich zu praktizieren, um Menschen Trost und Orientierung zu geben, ohne Gott durch Missachtung von

Schutzvorschriften zu versuchen, müssen sich Landesbischöfe und Kirchenleitungen nicht wundern, wenn das taub gewordene Salz sprichwörtlich von den Leuten zertreten wird. Das Ergebnis ist, dass die Menschen immer mehr vom Staat erwarten, was nur Gott geben kann. Wohin die sich daraus ergebende Enttäuschung führt, zeichnet sich schon auf unseren Straßen und in den „Sozialen“ Netzwerken ab. Umso wichtiger ist es, den nächsten Generationen das Evangelium von Jesus Christus, dem König der Juden zu verkündigen, der Weg, Wahrheit und Leben ist – weit über die derzeitige und mögliche andere Pandemien hinaus. Denn wer an ihn glaubt, ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen, egal ob an, mit oder ohne Corona-Virus!

 

 

 

Willi Gotter