ideaPressedienst Nr. 11 (Online-Version) Freitag, 11. Januar 2008

I N T E R V I E W

"Israel" - 2008 in der Sächsischen Schweiz

Sachsen: Warum Christen auch Israelfreunde sein müssen

Der Staat Israel wird dieses Jahr 60 Jahre alt. Vom 1. bis 3. Mai findet in Pirna in der Sächsischen Schweiz die 12. Sächsische Israelkonferenz statt unter dem Thema "60 Jahre Israel - geliebt und bekämpft". Mit dabei sein werden Vertreter aus Kirche, Gesellschaft und Politik sowie der Gesandte des Staates Israel, Ilan Mor. Die Schirmherrschaft hat der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) übernommen. Mit dem Geschäftsführer der Sächsischen Israelfreunde, Wilfried Gotter (Schönborn), sprach idea-Redakteur Matthias Pankau.

idea: Herr Gotter, was ist das Ziel der Israelkonferenzen?
Gotter: Das Ziel der Sächsischen Israelfreunde als Christen verschiedener Bekenntnisse ist es, wahrheitsgemäße Informationen zum Thema Israel zu verbreiten und als kompetente Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Quelle ist dabei die Bibel. Und natürlich Erkenntnisse und Erfahrungen, die wir bei unseren Israelbesuchen gemacht haben.

idea: Muss man als Christ "Israelfreund" sein?
Gotter: Ja. Denn unser Gott war auch Israelfreund. Und Jesus war ein Jude. Gott hat den Bund mit seinem Volk nie aufgehoben. Am Staat Israel können wir erkennen, dass Gott treu ist und sein Wort hält. Im Römerbrief (Röm 9-11) sagt Paulus doch ganz deutlich, dass nicht wir die Wurzel tragen, sondern die Wurzel uns trägt. Deshalb sollte es selbstverständlich sein, als Christ auch Israelfreund zu sein. Sonst hat man wahrscheinlich noch nicht allzu viel vom Christsein begriffen.

idea: Wie wird Ihr Engagement denn in Israel aufgenommen?
Gotter: Überwiegend positiv. Wir haben dort schon viele gemeinsame Projekte - vor allem gemeinsame Reisen - durchgeführt. Ein "Markenzeichen" sind auch unsere sächsischen Handwerker, die schon in einigen gemeinnützigen Projekten in Israel geholfen haben. 2007 haben wir ein Heim für eingewanderte äthiopische Juden renoviert. In diesem Jahr wollen wir einen Kindergarten in Tiberias wieder herrichten. Das kommt sehr gut an. Judenmission nicht vordringlich

idea: Eine unter Christen umstrittene Frage ist ja die, ob Jesus auch der Heiland der Juden ist und ob man Juden missionieren darf ...
Gotter: Jesus war Jude. Die große Frage ist: War er auch der Messias? Die Juden warten noch auf das erste Kommen des Messias. Wir Christen warten auf das zweite Kommen. Wir müssen uns deshalb aber nicht streiten! Wir sollten warten, bis er kommt, um ihn dann zu fragen. Dann wird alles gut. Aber wenn Sie mich persönlich fragen, so glaube ich, dass Jesus für alle Menschen der Heiland ist.

idea: Also auch der Juden?
Gotter: Ja. Das heißt aber nicht, dass es unsere vordringlichste Aufgabe wäre, Juden zu missionieren. Das macht Gott schon selbst. Wir haben im Missionsland Deutschland genug zu tun.

idea: Ein unter Christen ebenfalls umstrittenes Thema ist die Frage, ob junge Deutsche heute eigentlich noch für das verantwortlich sind, was die Generation ihrer Großeltern dem jüdischen Volk angetan hat?
Gotter: Ich denke, es geht nicht darum, dass junge Menschen für die Verbrechen der Großeltern verantwortlich sind. Vielmehr geht es um das Erinnern. Was ist geschehen und was können wir tun, damit so etwas nie wieder passiert? Und dazu gehört es eben auch, dass man sich mit der Frage auseinandersetzt, warum das negative Gedankengut aus der damaligen Zeit auch heute einen Reiz auf viele junge Menschen gerade in der Sächsischen Schweiz ausübt.

idea: Vielen Dank für das Gespräch!

(11.01.2008/12:41)

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