Zwischenruf zu Luthers Judensau

17.09.2016 | von Wilfried Gotter, SIF
Judensau an der Stiftskirche in Bad Wimpfen

Judensau an der Stiftskirche in Bad Wimpfen, Foto: Peter Schmelzle, wikipedia.de

Angesichts des herannahenden Festes "500 Jahre Reformation" an dem wir wie immer zum Gemeindebibeltag in die Sachsenlandhalle Glauchau einladen, möchten wir ein paar Gedanken zu Luther und die Juden weitergeben.

Viele Petitionen machen die Runde! Wir unterstützen alle die fordern, endlich Schluss zu machen mit der Judensau in oder an deutschen u. europäischen Kirchen - die Liste finden sie im Internet! Im folgenden ein paar Gedanken dazu.

Die Judensau und Luther

Herr behüte uns vor Staub und Schmutz vor Juden und dem Denkmalschutz!

So sagt es ein Reim aus dem vergangenen Jahrhundert, den es auch noch in anderen Varianten gibt. Aber der Denkmalschutz ist immer dabei!

Wir haben in deutschen Landen mit Luther und der Judensau ein Problem! Und wir haben mit dem Denkmalschutz ein Problem! Er ist allemal bestimmender geworden wie das Wort Gottes!

Um es gleich in aller Deutlichkeit zu sagen: Eine Judensau gehört nirgendwo in Deutschland, ja nirgendwo in Europa mehr in eine oder an eine Kirche! Auch nicht aus Denkmalschutzgründen! Der "Geist, der die Judensau hervorgebracht hat, hat letztlich Hitler inspiriert, die Shoa ins Rollen gebracht. Auch die Progrome gegen Juden und der heutige Antisemitismus kommen aus diesem Geist und auch der Islam ist  damit durchtränkt wie ein nasser Schwamm.  Man kann ein Foto machen von der Sau und dann weg mit der Sau! Ganz Europa ist hier in der Pflicht! Es geht auch nicht wenn Herr Rhein als Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt meint, die Wunde der Sau muss bleiben, damit wir uns unserer Schuld bewusst bleiben. Wenn Schuld von Jesus vergeben wurde, dann ist sie weg - ein für alle Mal. Durch die Wunden Jesu sind wir geheilt! Wenn diese Wunde bleibt, dann wird sie über kurz oder lang zum Tode führen. Dies haben Wunden nun mal so an sich. Der Jude Jesus, der auch der Christus der Christen ist, wird hier auf dem Altar des Denkmalschutzes und fadenscheiniger Ansagen wieder gekreuzigt! Auch wenn die EU nicht den Namen Gottes in ihre Papiere aufgenommen hat, so stellen die meisten Politiker einen Zusammenhang zum christlich-jüdischen Abendland her. Auch wenn Sie es wahrscheinlich nicht sehr ernst nehmen!  

Weil dies so ist, unterstützen wir als Sächsische Israelfreunde alle Petitionen aus dem Aus- und Inland sehr, dass diese schändlichen antisemitischen Bilder von den Kirchen entfernt werden! Sie sind eine höllische Sichtbarmachung der Ersatztheologie, in der bis heute noch viele in Deutschland und im gesamten Christentum stecken!

Nun kommt aber von anderen der Einwand, was für ein großer Mann doch Luther gewesen sei, der uns ja die Bibel gebracht hat ins damalige hochdeutsch übersetzt und damit bis heute Gottes Wort den Menschen in Deutschland zugänglich gemacht habe.

Ja das stimmt. Auch wenn vor ihm schon andere die Bibel übersetzt hatten, kam  Luther Gutenberg zu Hilfe, damit das Ganze auch unters Volk gebracht werden konnte! Gutenberg stellte das Trägermedium für Luthers Schriften, den Buchdruck, zur Verfügung.

So erreichte die ursprüngliche Lutherbibel, die bei der katholischen Kirche auf dem Index landetet, eine Gesamtauflage von immerhin 500.000 Exemplaren. Gewaltig für die damalige Zeit! Auch bei den anderen Schriften war Luther eindeutig der Marktführer. Während die Lutherbibel auf den Index der katholischen Kirche kam, geschah dies mit seinen Traktat gegen die Juden nicht!

Sein Traktat "Wieder die Juden und ihre Lügen" von 1543, drei Jahre vor seinem Tod, bildet ein ganzes Stück die Grundlage für die Judensäue an oder in deutschen Kirchen. Das böse Wort brachte letztlich bei bösen Menschen den Judenhass  voran und sein, in diesem Traktat enthaltenes, Programm wurde umgesetzt in vielen Progromen in Ost- und Westeuropa. (Auch König Saul wurde von einem bösen Geist ergriffen und das NT warnt uns hiervor! "Seit nüchtern und wachet; denn der Widersacher der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht wen er verschlinge! 1. Petrus 5 ,8) Auch "große" Männer sind davor nicht gefeit!

Sieben Punkte zur Beseitigung des Judentums in Deutschland aus Luthers Traktat:

  • 1. Verbrennen ihrer Synagogen
  • 2. Zerstörung ihrer Häuser und Zwangsunterbringung
  • 3. Wegnahme ihrer religiösen Bücher
  • 4. Lehrverbot von Rabbinern bei Androhung der Todesstrafe
  • 5. Aufhebung der Wegefreiheit
  • 6. Zwangsenteignung
  • 7. Zwangsarbeit

Dieses Programm übernahm Hitler und fügte dem nur noch die Endlösung der Judenfrage hinzu, die dann auf der Wannseekonferenz 1942 beschlossen wurde. (Unter den Mitbeschließenden war ein Martin Luther als Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt)

Wie an vielen bedeuteten biblischen Gestalten, wie zB. König David, ein Mann nach dem Herzen Gottes, wie die Bibel sagt und doch ein Ehebrecher und Mörder, lag auch bei Luther Licht und Finsternis eng beieinander! Wie gut, dass der Psalm 103 für alle gilt: "Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte..."

David war ein König nach dem Herzen Gottes und doch ein Ehebrecher und Mörder. So wie es bei David und anderen biblischen Personen war, so war es halt auch bei Luther! Wir alle brauchen die Gnade und Barmherzigkeit Gottes sonst ist es aus mit uns!

Deshalb hat wohl Luther kurz vor seinem Tod auch folgende Zeilen geschrieben:
"Mir ist es bisher, wegen angeborener Bosheit und Schwachheit, unmöglich gewesen den Forderungen Gottes zu genügen. Wenn ich nicht glauben darf, dass Gott mir um Christi willen dies täglich beweinte Zurückbleiben vergebe, so ist's aus mit mir. Ich muss verzweifeln. Aber das lass ich bleiben. Wie Judas an den Baum mich hängen, das tu' ich nicht. Ich hänge mich lieber an den Hals oder Fuß Christi wie die Sünderin. Ob ich auch noch schlechter bin als diese, ich halte meinen Herrn fest. Dann spricht er zum Vater: Dieses Anhängsel muss durch. Es hat zwar nichts gehalten und alle deine Gebote übertreten, Vater. Aber er hängt sich an mich. Was will's! Ich starb auch für ihn. Lass ihn durchschlüpfen. - Das soll mein Glaube sein."

Meiner auch!


Luther, Judensau, Kirche, EKD, Ersatztheologie
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Palm, Gottfried aus Schönebeck
26.09.2016 17:30 Uhr
Danke lieber Bruder Winfried für deinen Zwischenruf!
Ich muss bekennen, dass ich unentschlossen war, eine solche Petition zu unterschreiben. Du hast mich überzeugt. Nun finde ich leider jene Petition nicht mehr. Ich hoffe, in der nächsten Zeitschrift einen Hinweis darauf zu finden.

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